Das Smartphone ist dein Jugendwerkhof

(Allen dumpfen und weltfremden Träumern, die Fragen um ihrer selbst willen stellen, zum Trotz: Bei Mc Geiz liegen mögliche Antworten. Gesche Blume am 4. November 2017 um 18:34 Uhr)

Ich sah F. im Wald. Er hatte seinen Dederonbeutel dabei. Ich dachte, er sucht nach Pilzen. War voll, der Beutel. Hatte schon viele gefunden. Maronen, Steinpilze, Goldröhrlinge, die wachsen hier. Eine schöne Pilzpfanne. Kann man auch einfrieren. Das spart Geld. Ich grüßte ihn und lunzte heimlich in seinen Beutel. Mussten ja große Pilze sein, so wie der sich wölbte. Waren es aber nicht. Nur Bierflaschen. Leer oder voll, das konnte ich nicht erkennen. Egal. Aber was wollte der F. mit den ganzen Flaschen mitten im Wald? Proviant? Sein Goldstoff? War jedenfalls vernüftiger, was er tat, viel klüger, als bei McGeiz nach Antworten zu suchen. F. hatte wenigstens seine Fragen schon gefunden. Aber ich hatte bloß die Antworten vom Pfennigfuchser, und als ich in meinem Talleyrand blätterte, fiel ein Aphorismus heraus. Durch nichts in der Welt ist so viel Unsinn verhindert worden wie durch fehlendes Geld. So kann das Material wenigstens nicht in die Empfindung übergehen. Weil es ist ja nicht da. Es gibt nur die Empfindung. Jedenfalls, das Knacken der Zweige, die F. auf seinem Weg durch das Unterholz bricht, das hat keinen Rahmen. Mit unendlicher Geschwindigkeit rast das alles an mir vorbei. An uns.

Dieser Beitrag wurde von Eleadora Stein am 16. November 2017 um 17:05 Uhr geschrieben.

Genre: Trauersymmetrie

6 Kommentare »

  1. Unsere tägliche Erfahrung zwingt uns ja, also der ganze Smartphonekram, dieser Cyberspace, zwingt uns alle, also jeden, also auch dich, dich und mich, uns immer wieder zu fragen, was ist das überhaupt, die Freiheit, was ist das, das was wir sind, und vor allem, was wir sein wollen, und ob wir das sein wollen, was wir alle schon sind, oder vielleicht doch etwas anderes.

    Comment by Zombiekonzept 2 — 18. November 2017 @ 08:58

  2. Das Schlimme ist doch, dass Du Dich zwingen lässt, wir eingezwängt sind in und von der “tägliche(n) Erfahrung”. Verzichtet es einfach darauf, könnte es – ginge da ein Wind – irgendwann – - nach angemessener Zeit – - – besser werden.

    (Gegenrede)

    Comment by Zhenja — 18. November 2017 @ 11:59

  3. Die Überschrift ähnelt folgendem Ansatz: “Das Nutztier von der Currywurst her denken!”

    Comment by Denkt von der Currywurst her! — 18. November 2017 @ 21:26

  4. Aber so ist es doch. Das Nutztier wird von der Currywurst her gedacht. Die Lebenserwartung von der A 38 her. Und der Stimmzettel wird von der Dividende her gedacht.

    Comment by Ohrmarke DE 05 3858087 — 23. November 2017 @ 10:18

  5. Kommentar Nr 2: Richtig. WIr müssen uns von der Gegenwart befreien.

    Comment by die Revolution steht bevor — 23. November 2017 @ 10:20

  6. Der Scheißhaufen war ihr Goldschmuck.

    Comment by Surabaya-Zombaby — 5. Dezember 2017 @ 08:38

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