tischgespräche

die gabel sticht
in das brot
der mann wartet auf den aufschrei
die zeitung liegt gefaltet
neben der einsamkeit
das messer wartet
auf den dritten akt

die suppe wird kalt
sagt die frau in der küche
und schlägt die stille entzwei

Dieser Beitrag wurde von Christa Issinger am 27. November 2017 um 08:29 Uhr geschrieben.

Genre: Wortmysterien

11 Kommentare »

  1. die gabel sticht
    die frau wartet
    die zeitung liegt

    es wird kalt
    sagt der mann in der küche

    Warum muss immer die Frau in der Küche stehen?

    Comment by Eleadora Stein — 27. November 2017 @ 11:19

  2. Damit keine Verwirrung entsteht “Warum muss immer die Frau in der Küche stehen?” im letzten Kommentar ist eine Anmerkung und gehört nicht zu den Versen.

    Comment by Eleadora Stein — 27. November 2017 @ 11:20

  3. Ich fände es auch gut als Teil des Ganzen

    Comment by Ganzheitlich denken — 27. November 2017 @ 14:42

  4. Das ist unlogisch. Der Kerl hockt in der Stube bei Brot und Besteck. Die Frau am Herd beanstandet, dass die Suppe kalt wird. Was fehlt? Ein Löffel und die Spanne zwischen Frühstück und Mittag.
    Zudem gebe ich der Stein recht: Warum steht Tusnelda bei den Töpfen? Das muss eine sehr alte Ehe sein. Heutzutage schwingt Mann den Löffel.

    Comment by Küchenkram — 27. November 2017 @ 15:19

  5. ich lese hier, ob ich will oder nicht, und eigentlich will ich nicht, immer Reinhard Mey – Schlacht am kalten Buffet mit, ich hab das mit fünf zum ersten Mal auf der elterlichen Couch gehört (genau die, auf der sich Rolf immer zu sehr in Mitte setzte) und da hieß es, wohin halt die Gabel sticht, und warum muss sie das tun, nur weil sie zu diesem Zweck erschaffen wurde, warum unterstellt man diesem Gerät per se was Böses, fragte ich mich schon damals, und der Löffel war doch für die Bauern, also gehören wir doch schon zur höheren Schicht…

    Comment by Schichtdessert — 29. November 2017 @ 23:57

  6. Ich ging als Kind selten raus. Mir war es dort mal zu windig und zu kalt, mal zu heiß, außerdem musste ich auf Bäume klettern, was ich nicht mochte. Deshalb kam die Situation mit der Couch zu stande und ich krieg diesen Song nicht mehr raus. Wäre ich doch lieber raus gegangen und auf Bäume geklettert, vielleicht hätte Mutter sie dann auch nicht abgesägt, die Bäume, denn: wer sägt schon gern an dem Ast, auf dem die Tochter/der Sohn sitzt?

    Comment by Sägearbeit — 30. November 2017 @ 00:00

  7. Der Tisch kippelt. Und Handwerker gibt es auch nicht mehr.

    Comment by Ritter der Tafelrunde — 2. Dezember 2017 @ 08:37

  8. Der zweistrophige Text gefällt mir. Die Titelzeile dagegen tut ihm Gewalt an. Warum muss man allen Ereignissen gleich die Generalisierung “überhelfen”?

    Ach ja, a propos “unterfassen”: natürlich ist die Interesse(n)losigkeit eines Wohlgefallens ein zutiefst /ideologischer Tatbestand// und die logischen Beziehungen zwischen den Dingen (Gabel und Brot, Happen und Mund) nicht frei davon. Aber das heißt nun gerade nicht, dass der aufklärerische Begriff der Ideologie umgekehrt ein Wohlgefallen, und schon gar nicht, dass er ein umgekehrtes Wohlgefallen ausdrücken würde.

    Schön ist die in der zweiten Strophe inszenierte kalte Stummheit eines Schreis. Und: würde deren zweiter Vers etwa lauten: “murmelt jemand in seinen Bart”, wäre der Gesamttext kein Perzept, sondern ein waschlappenartiges Gebilde, das zwar “ideologisch korrekt” erscheinen wollen könnte, aber für diesen Willen gar keinen hat. Tot ist tot, da helfen keine Pillen.

    Comment by Thadeus Phunkt — 3. Dezember 2017 @ 08:16

  9. “Die Titelzeile dagegen tut ihm Gewalt an.”

    Die Kritik ist angebracht. Und zwar aus folgenden Gründen:
    - es gab schon mal Tischgespräche auf “Inskriptionen”
    - Die “Tischgespräche” waren ursprünglich mal von jemandem, dessen Namen man nicht laut sagt. Auch hierauf wurde bei “Inskriptionen” schon mal hingewiesen

    Comment by frau kleist — 4. Dezember 2017 @ 20:14

  10. Ich hab’ mal recherchiert: das war im Mai 2014:

    Tischgespräche

    Man braucht nur mal einen Tisch mit vier
    Beinen zu kneten – und schon hat man den
    Prototyp eines Hundes.

    Comment by Willi, Bibliothekar — 4. Dezember 2017 @ 20:40

  11. Gründe für Kritik können vielfältig sein. Zum Beispiel kann man einen “Scheißhaufen” dafür kritisieren, dass er ein Scheißhaufen ist. Oder dafür, dass er stinkt. Im ersten Fall evoziert man so den geruchslosen Haufen, der u.U. sogar essbare Hasenweihnachtsmann. Im anderen lobt man aber implizit die Solidarität der Stinks, selbst wenn man nie zugeben würde, dass man sich in den Augenblicken um die Geisterstunde herum heimlich aus der Ferne zuwinkt oder gar

    Comment by Phunkt — 5. Dezember 2017 @ 08:47

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag.

Hinterlasse einen Kommentar