Ich pickte mir eine Rosine heraus. Während die anderen schon schliefen, saß ich im Wohnzimmer und hatte die weiße Blechbüchse geöffnet. Sie stand mitten auf dem Schreibtisch.
Eduard war nach der Trennung von Vyvyan dauerhaft angespannt. Und das nicht wegen dessen möglicher Untreue, sondern als Resultat seiner Liebe. Seit er Vyvyan kannte, fiel es ihm schwer, länger als einen Tag von seinem Partner getrennt zu sein.
Das Geschenk einer Freundschaft, die im Herbst 2009 in Kaditzsch bei Grimma begann und bis heute, Juli 2026, dem jüngsten Atelierfest in Laudenau, andauert.
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Der Bildhauer Friedrich Höfer, ein disziplinierter, formstrenger Mann, geboren 1940 in Jößnitz bei Plauen im Vogtland, ist im Herbst 2009 Stipendiat in der Denkmalschmiede. Er arbeitet draußen im Freien an einem großen Stein aus Granit, bei Wind und Wetter, Regen scheint ihm nichts anzuhaben. Er arbeitet weiter, hämmert, schleift. Rundungen kommen aus dem Stein, eine Form, die an etwas erinnert. Dabei seltsam abstrakt. Und gleichzeitig erotisch.
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Ein Blick in Friedrichs Studio, eine Etage unter dem eigenen Raum, in dem ich an Texten sitze. Der Eindruck des Erotischen verstärkt sich. Ist es die Fülle weiblicher (?) Rundungen? In Stein, in Bronze, aus Ton. Auf Papier. Und doch sind es keine Aktbilder, keine einfachen Darstellungen weiblicher oder männlicher Körper. Allenfalls Andeutungen. Zeichenhaftes. Der Raum ist voller Grafiken in selbst gezimmerten Rahmen, man meint, einen Schoß zu erkennen, aus kalligraphisch wirkenden Linien, Strichen. Oder sind es doch nur eigene Assoziationen? Formen, die sich öffnen, zurückweichen, entziehen. Zarte und zarteste Oberflächen, als könne man so etwas Zartes und Verletzliches wie Haut in Granit darstellen. Man möchte mit der Hand darüberfahren, die Steine berühren, auch die Plastiken, gegossen aus Bronze, in verschiedenen Größen, doch kleiner als der Stein im Freien. Der Mann ist beinahe siebzig, drahtig, schlank und, wie es scheint, von einem markanten Gestaltungswillen. Auch ein Holzschnitt und eine Arbeit aus Glas sind unter den Exponaten, der Entwurf für ein Kirchenfenster, an dem er noch feilt. Dinge, die er von zu Hause, aus dem Odenwald, mitgebracht hat für die anschließende Ausstellung. Kein Tag vergeht, an dem ich nicht das Hämmern des Meißels im Freien höre, den Mann Friedrich an seinem Stein arbeiten sehe. Helle Schutzkleidung, die er während der Arbeit trägt. Versunken, tatkräftig, konzentriert. An den Abenden, beim gemeinsamen Essen, beginne ich, seine Gegenwart, die Gespräche mit ihm über Gott und die Welt zu schätzen. Er ist belesen, artikuliert angenehm. Worte sind ihm offenbar ebenso wichtig wie seine plastische Kunst. Seine Stimme, weich, modulierend.
Zwanzigjährig ist er 1960, vor dem Mauerbau, mit der kranken Mutter aus dem Vogtland von Berlin aus nach Westdeutschland gegangen, um nur zwei Wochen später in Frankfurt am Städelschen Kunstinstitut ein Studium aufzunehmen. Zwei Semester Probezeit, danach ein regulärer Student, der fortsetzt, was er in Dresden als Steinmetz begann. Eine Ausbildung als freier Künstler, Aktzeichnen, Vorlesungen in Kunstgeschichte, die tägliche Anwesenheit als einzige Pflicht, ansonsten ist der angehende Bildhauer sich selbst überlassen, entwickelt eine Formensprache, die ihn lange auszeichnet: filigrane, geschwungene Striche. Der Professor, in dessen Klasse er ist, macht sich respektvoll lustig über den Studenten, ja, so, die Zeichen immer weiter aneinanderreihend, könne er ewig weitermachen…
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Er erzählt von Frankreich, der Bretagne, dem regelmäßigen Aufenthalt dort, von der Steilküste am Atlantik. In Kunstgeschichte bewandert, ist er gerne präzis, auch begrifflich. Eine Skulptur ist eine Skulptur, Material, von dem der Bildhauer etwas wegnimmt, keine Plastik. Wenn es im Englischen auch nur einen Begriff dafür geben mag. Bei der Plastik wird Material aufgebaut, modelliert, aus einem Stück Ton, aus Gips, was immer sich modellieren läßt. Sein eigenes Anliegen: durch Gestaltung in den öffentlichen Raum zu wirken.
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Nah an der Natur, das könnte ein Motiv sein auch für sein eigenes Haus, das er am Rand eines Dorfs in den Hang gebaut hat. Großzügiges, helles Atelier und eher kleinteiliger, gemütlich anmutender Wohnraum gehen ineinander über. Beides hat er selbst entworfen, das Atelier von beeindruckender Höhe und die angrenzenden Wohnräume bis unters Dach. Ein Entwurf, der die Lage des Grundstücks, am Hang, in die Ausführung mit einbezieht, indem er die hinteren Wände des Hauses in den Hang selbst verlegt: dort das grüne Licht (oder Dunkel) der angrenzenden Erde, der aufsteigenden Bäume, vorn der weite Blick aus dem verglasten ersten Stock über die umliegenden Weiden, auf Waldrand, die hügelige Landschaft des Odenwalds. Gestaltungswille, der der Natur keine Gewalt antut, vielmehr versucht, sich in ihr zu verorten, als Mensch und als Künstler. Erdnah und wie zeitenthoben, mit eigener, innerer Zeit, die jedem Getriebe entgegengesetzt bleibt. Ein nun bald 86-jähriger Künstler, der die Musik liebt, auch die zeitgenössische Moderne, dabei ein geselliger Mensch, verheiratet mit einer Musiklehrerin, drei Kinder, eine der Töchter wiederum Musikerin, Violinistin.
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Sein Gestaltungsanspruch reicht in die Landschaft hinein, doch er zerstört sie nicht, ändert nichts, respektiert die Natur, bettet seine Entwürfe, seine steingewordenen Ideen in sie ein. Skulpturen aus Granit oder Rochlitzer Porphyr wie Findlinge oder Visitenkarten, die man mit den Fingern entlangfahren und streicheln möchte.
Einmal im Jahr kommt zu den anderen Gästen auch der Musiker Volker Hemken aus Grimma nach Laudenau in den Odenwald. Solobaßklarinettist im Gewandhaus zu Leipzig, trägt er den musikalischen Teil zu den „Korrespondenzen“ genannten Atelierfesten im Werkraum bei, zeitgenössische Musik, von den Komponisten nicht selten ihm, Volker Hemken, gewidmet.
Laut Gottfried Benn dichtet moderne Dichtung nicht an Also bin ich kein Dichter
Laut Duden wird Gott mit Doppel-t geschrieben Also ist der englische falsch geschrieben
Laut Gesetz sollte jeder zu Versorgende Arbeit suchen Also gibt es Gesetzlose, Subjekte
Laut Auskunft des Wirtschaftsministeriums wird heizen teurer Also – nix also!
Laut Statistik sind Zahlen überdurchschnittlich intelligent Also werden sie häufig zitiert
Laut, laut ist es immer wieder Besonders abends
Auf der Plazza
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„Einst war ich die Grenze, nun ist das alles zeitlos vergangen. Mit dem Werden der Erfahrung grenzt es bewusst ans Neue, hundertjähriger Lidschlag. Die Menschen und Dinge riechen nach Salz, nach Dung die“ (Anmelden / Abmelden)
Wie hasse ich die Bahn Gleichförmigen Sternenzugs. Willkommen, uralter Wahn – TurmesWie hasse ich die Bahn Gleichförmigen Sternenzugs. Willkommen, uralter Wahn – TurmesWie hasse ich die Bahn Turmes
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Zum Glück hat Brandenburg ein paar herrenlose Herrenhäuser und Schlösser (preußischer Kulturbesitz) mit läppischer Park- Wildnis ringsum : sonst würden wir Alternde Seenfahrer : keine Stelle Zum Anlanden finden : Privatstege Aneinandergereiht : Maschendrahtzaun Durch Brennesseldickicht gezogen
„Betreten verboten“ grüßt überall : herzlich Willkommen : das Parkgelände bietet Raum für Wasserwanderer und andere Aussterbende Arten : im übrigen Unterscheidet sich Caputh nicht Von Golm oder Werder oder Sacrow Der Stegegoismus reicht bis Berlin Mitte : in schöner Vollendung : die Ordnung
Ist flöten gegangen : auch Preußen Verschwand : nicht mal drei Jahre Hat der Möchtegernstaat Albert Einstein Die Caputher Sommerfrische gegönnt Nach der Blamage : die Stadt Berlin Vertreten durch Bürgermeister Bless Wollte dem Physiker ein Häuschen am See Übereignen für sein geliebtes Segelboot
Nur waren alle Häuser schon besetzt Und mit Privatsteg versehen : betreten Verboten etc. : das Lied kennen wir schon (Ist es die brandenburgische Nationalhymne?) Einstein lehnte dankend ab : eine andere Familie aus ihrem Haus zu schmeißen : damit Er seinen Zugang zum See erhielt : Herr Bless War blessiert : die Zeitungen machten sich
Lustig : denn Einstein kaufte sich selbst Sein Quartier : Caputh klingt viel besser Als Berlin : damals versprach es Ruhe Und Waldluft : der Schwielowsee lud Zum Segeln ein : ohne Algen und Motorlärm Der Friede währte nicht lange : Machtergreifung Flucht und Enteignung : zwei Jahre später zogen
Die Youngsters von HJ und BDM ein : lagerten
Zwischen den verwaisten Bücherregalen Im Arbeitsszimmer : wer braucht denn Gekrümmte Räume und verlangsamte Zeit Jetzt war Deutsche Physik angesagt Ganz im Sinne von Newton und Euklid Ihr Scherzkekse : außer Krieg nichts im Sinn Hattet ihr : und die Gemeinde Caputh Bekam Einsteins Häuschen geschenkt
Ohne irgendeine Idee wozu und wofür Denn ein Museum durfte es nicht werden : das hatte Der Meister persönlich verfügt : es gab schon genug Personenkult seiner Zeit : die herausgestreckte Zunge auf Postern und Ansteckern mußte Genügen : also machte Caputh Einsteins Häuschen Einfach kaputt oder ließ es verfallen : zum Glück Erbarmte sich die Akademie der Wissenschaften der DDR
(Auch eine Spielart Deutscher Wissenschaft Im Zeichen der Internationale) des Grundstücks Ließ es 1979 zum Hundertsten renovieren Und gäbe es das Holzhäuschen nicht : Caputh hätte Gar nichts : außer den Stegen am See Privat : also JEDER hat SEINEN : wie ist das Meinte Einstein : es gebe nur zwei Dinge : die unendlich sind : das Universum
Und die menschliche Dummheit : ach Beim Universum sei er sich unsicher
Hatte beim Frühstück einen furchtbaren Streit mit Elou, und dann musste ich es ihm endlich sagen. Seit drei Wochen schleppe ich es jetzt mit mir herum, und schon der Gedanke an seine Reaktion löste Magenbeschwerden bei mir aus. »Warum isst du kaum etwas, schmeckt es dir nicht«, den Satz hörte ich fast jeden Tag, wenn er zu Abend gekocht hatte. »Ist es wegen neulich, wegen Frau Schlimm und dem Geschenk von Carl und Guido«, fragte er mehrmals. Ich hatte einen so dicken Kloß im Hals, dass ich nur den Kopf schütteln konnte. »Du hast was, sag es mir doch, bitte«, flehte er und nahm von allen Speisen mehrmals, lobte die mediterrane Küche und die eiweißreiche Nahrung, um dann umzuschalten auf »warum bist du so still«. Zweimal hatte ich mich übergeben, zweimal. Schließlich machte er sich ernsthaft Sorgen und schickte mich zu Dr. Timothy: Aidstest, gastroenterologische Untersuchungen, alles ganz diskret, und ich Idiot ließ Elou auch noch die Rechnung bezahlen – obwohl ich genau wusste, dass es nur meine – mein längst geplanter Wegzug nach Dresden war, den ich ihm verschwieg.
Und Meli feuerte mich noch an, sags ihm endlich, du machst dich und ihn fertig, wenn dus nicht tust, und dann die Wut auf sie und auf Paul und die ganze Familie, ihr seid an allem Schuld und dann der Schlag in die noch tiefere Region, lass das bloß nicht Albert hören, er gibt dir das Geld.
Albert. Unser Onkel. Dessen Sohn mich unfreiwillig – entjungfert hat. Mir war schon wieder so schlecht, dass ich nicht wusste, ob ich nicht lieber im Bad bleiben sollte.
Elou fummelte draußen an seinem Fahrrad herum, pfiff dabei und merkte nichts.
Der Sonnige.
Am Samstag das Treffen mit den anderen. Sie holten die ganze Geschichte zwischen Al und mir wieder hoch. Wir waren bei Lemmons, wo ich schon wieder kotzen musste.
Und dann Sonntag: Elou hatte Brötchen besorgt. Vom allerbesten Bäcker. Weil mein Magen leer war, hatte ich plötzlich ungewöhnlichen Appetit. Mir war alles egal. Elou machte wieder alles richtig und ich nichts. Er legte John Coltrane auf, dann Sade und schließlich Schuberts Winterreise. Warum ist er eigentlich nicht DJ geworden. Er sprach ununterbrochen von den maßgeblichen Errungenschaften der Community, und dass eine Petition eingebracht worden sei, in der es um die gleichgeschlechtliche Ehe ging. Er redete und redete. Und obwohl ich alles teile, was er sagt, brannte bei mir eine Sicherung durch: Er schwärmte von den Gay Days, die bald wieder losgingen, und bei denen er und Al sich stark einbrachten. Selbst der Lehrstuhl für Art History, an dem er angestellt ist, wurde angeschrieben. Hartnäckig wie er ist, hat Elou da nicht locker gelassen.
Und dann sagte ich diesen Satz: Ich hab genug von deinen Gay Days.
Danach gab ein Wort das andere. Ich sei egoistisch, ohne Maß, sagte er, und dass ich mich doch gerne für unsere Freunde auszöge. Es war grotesk. Es stimmte alles halb. Die andere Seite würde sagen, du wurdest ausgezogen. Wie ich mich manchmal fühlte, wenn sie mich ansahen. Dieser Druck, dieser Sog, bei dem Widerstand zwecklos war. Wie eine Melodie von Philip Glass, endlose Variationen. Und ich schämte mich, wenn sie meine Erregung sahen, ein Gewächs aus Lust und Scham, das wollte ich nicht oder nur manchmal, bei manchen, Elou, du weißt bei wem, du weißt es ganz genau. Er hat mich den anderen gezeigt. Zu Al, am Telefon: »ich weiß nicht, ob ich ihn zeigen soll. Ob ich ihnen Vyvyan zeigen soll.« Zeigen, nicht vorstellen.
Es gibt im Leben Ereignisse, da würde jeder sagen, bitte, dasselbe nochmal. Sie hatten im Hinterzimmer gewartet. Ich konnte nicht wissen, dass sie im Schlepptau mitkamen, sie waren noch nicht sichtbar. Die Wohnung, damals im Sommer ’87, hatte an der Garderobe keinen Sommermantel von #83, dafür aber empfing sie mich mit dunkelbraunem Linoleum, geschnitzten Masken an den Wänden, gepressten Holzschnitten, eleganten Tänzerinnen auf schwarzweiß Fotografien und mit der Muse selbst. Die Muse hatte, wie gesagt, die zwei Herren im Schlepptau, klar wie Martini und Eiswürfel.
Es war ein schlechter Sommer. Ich war ein Mädchen und freundlich. Regen, Kühle und windige Schleicher wechselten im Sekundentakt. Da brauchten wir gar keine Gürkchen aufs Büffet zu legen.
Mit vollem Mund redete Vyvyan weiter. »Ich bin doch nur dein Legostein. Ein Legostein, der so schön in dein … offenes Haus passt. Weil man ihn schon von weitem leuchten sieht.«
Eduard spürte, wie eine eiskalte Welle ihn überspülte und auf seine Gedärme schlug. »Weißt du was du bist, Vyvyan«, sagte er, in seine Schallplattensammlung hinein: »Was du wirklich bist? Du bist ein… ein maßloser Egoist.«
Er hörte, wie Vyvyan den Stuhl zur Seite schob und seine Beine darauf legte. Immer machte er das, während des Essens, während der Soirees mit den – anderen Männern … immer machte er das – so.
»Ein – Egoist?« Vyvyans Stimme nahm wieder diesen Operettenton an: »Egoist … passt doch perfekt zu der Vorstellung, die sich alle hier von mir gemacht haben. Passt doch perfekt zu dem, was sie wollen. Für ihre … um dein Wort zu gebrauchen: maßlosen Fantasien.«
Eduards Herz pumpte. »Du hast dich doch … gern für sie entkleidet. Du hast es genossen, sie zappeln zu lassen. Du hast es genossen, wenn sie schon ganz … aus dem Häuschen waren. Und immer, immer hast du entschieden … du … hast entschieden, wer dich wie … lieben durfte.«
Der Pinguin war einer, der ganz zum Schluss erst dazu kam.
Sie trafen sich in der Cafeteria. Eine dunkle Brille bedeckte Melisandes Augen, während die Sonne mäßig schien. Sie nahm Erdbeerkuchen, Esther holte sich einen Salat.
„Was ist eigentlich mit … Alan“, fragte Esther.
Der Salat war grün.
„Al? Der lebt in London und pflegt seine Mutter. Und er hat Vyvyan den schrecklichen Artikel geschickt.“
„Den aus der Times?“
Melisandes Lippen: rot. Lilienrot vom spitzen Stift, den Esther ihr gab.
„Ja. Den hat einer geschrieben, der Vyvy nicht leiden konnte. Al hat einen Prozess gegen ihn laufen. Der kommt ihn gerade richtig teuer. Und dann hat er sich … vom Pinguin scheiden lassen.“
„Pinguin?“
„Das war einer … der ziemlich zum Schluss erst dazukam. Al verliebte sich Hals über Kopf in ihn. Und es wurde für Eduard so richtig traurig. Plötzlich waren sie nämlich zu viert, und das … ging nicht gut. Warum, erzähle ich dir ein andermal. Zu Beginn hatten sie ein erfülltes Liebesleben… Jedenfalls war oder ist der Pinguin einer der Gründe, warum Eduard und Vyvyan endgültig nach Dresden kamen.“
„Und Vyvyan? Was hielt er vom Pinguin?“
„Ach, du kennst doch meinen Bruder. Der ist immer schnell von schrägen Vögeln beeindruckt.“
Ein Kuss. Ein Kuss, lilienrot. Gibt es rote Lilien? Melisande holte die Times hervor. Der Verriss, dessen Original im Kamin landete, nachdem Vyvyan ihn gelesen hatte. Die Erdbeere wechselte von Mund zu Mund. „Wenn es nicht so traurig für ihn wäre, würde ich ….“
Melisande reichte Esther das Blatt. Ein Lächeln stand auf ihrem Gesicht.
Frackträger sind hier, um profoziert zu werden. Von seiner Präsenz, seinem Körper, leichtfertig und ausgestellt. Fassaden sind Arabesken. Karusselle und Kunstwerke. Bourgeois – so antiquiert, so mean, so 21. Jahrhundert – und das ist kein Kompliment.
Karusselle und Kunstwerke.
Wer weiß, was hier noch alles ist, an das ich schon gar nicht mehr denke. Nur sein Geruch erinnert daran, dass es noch da ist.
Ein vergammelter Apfel? Ein Unfall im Papierkorb? Ich weiß es nicht. Vielleicht habe ich mir auch nur die Hände irgendworan abgewischt.
Schrecklicher! – Lässt Tropfen fallen und lauscht, ___ Ob in der Welt allein er Knickt einen Zweig im Fenster, wie Spitzengewirk, ___ Oder ob da ein Zeuge sei.
Doch quält hellsichtig sich unterm ganzen Gewicht ___ Der Ausflüsse – rotzige Erde, Und vernehmbar: weithin, wie im August, ___ Es Mitternacht in den Feldern werde.
Kein Laut. Und Zuschauer nicht. ___ Sich ganz seiner Leere sicher, Macht ran er sich ans Alte – lässt fallen sich ___ Aufs Dach, an Schindeln, dazwischen.
Benetze mir die Lippen und höre mich ein, ___ Ob in der Welt allein ich, – Für ein Schluchzen bereit bei Gelegenheit, – ___ Oder ist da ein Zeuge.
Doch Stille. Und kein Blättchen schabt. ___ Kein Anzeichen Nebels, außer grausigem Wischen Einer Schluckreizwelle und des Gischtklangs in Schlappen ___ Und von Seufzern und Tränen dazwischen.
Guido rieb vorsichtig mit einem in Schuhkrem getränkten Tuch auf seiner Stiefelette herum. »Wisst ihr eigentlich, dass ich die neulich, als wir bei Tisch saßen, genau hier, und Al und Vyvyan… als Vyvyan uns allen … also, dass der Schuh seine Spuren trägt?«
Carl beugte sich hinunter. »Falls du noch nicht alles weggeputzt hast.«
»Nein«, meinte Guido, die Stelle – hier.« Er machte einen Druckpunkt mit dem Zeigefinger neben seinem großen Zeh.
Alan kam herein und sah das Grüppchen, das sich über Guidos Schuh am Boden zusammengekratzt hatte. »Was sucht ihr da? Sind das Designerschuhe? Vyv hat Designer-Moonboots. Schneeweiße mit Kunstfell.«
Guido sah auf und blickte Alan mit großen Augen an.
»Al, sag mal, meinst du…«
»Wir suchen Vyvyans Genom«, sagte Carl trocken und nahm Guido das Putztuch ab. »Guido hatte die Schuhe am Samstag an. An dem Samstag, Al. Als du Vyvyan … durch den Salon geschoben hast.«
Gestern, sagt ein anderer, hat er Schach gespielt, und natürlich gelten hier, grundsätzlich zumindest, die gewöhnlichen Schachregeln … die einzige Änderung hier ist, dass auch der Wind die Figuren verschieben darf … Das Spielfeld wird auch gedreht, immer, wenn eine Figur geschlagen wird, wird das Spielfeld um 90 Grad gedreht … in den Zügen des Windes können sie auch den Wind lesen … wenn es vorbei ist, ist das Spiel nicht vorbei, denn das sind nur zwei Spieler, aber auch der dritte Spieler muss noch seinen letzten Zug haben, der Wind hat also noch einen Zug, wir warten ab, warten, bis der Wind seinen letzten Zug getan hat … und das Vielfältigste aller Weiß und das Vielfältigste aller Schwarz.
Dort, wo Morgen- und Abenddämmerung Eins sind, am Fuß des Regenbogens, Da liegt das Land der hellen Träume. Keine Straße, kein Weg, kein Pfad Führt dahin, wo die Blumen nie welken, Es weder Sommer noch Winter gibt, Ein ewiger Frühling der Hoffnungen, Der Träume und des Glücks blüht. Frieden und Eintracht sind hier zuhause. Unerreichbar für Dich und mich, liegt Das Land jenseits aller Horizonte. Die Hoffnung bleibt, es zu erreichen, Am jüngsten Erdentag, wenn das Ende Zu neuem Anfang geworden sein wird.
„Hm, wenn wir hier noch was raus nehmen und den Rest nach vorne, dann könnte das super aussehen. Schau mal.“ Marcel hielt Eduard einen Spiegel von der Seite entgegen. Der vertraute. „Mach nur“, sagte er, ich lass mich einfach … verwöhnen.“ Marcel lächelte und legte los. „Zuerst waschen“, sagte er. „Pfirsich oder Zitrone?“ „Pfirsich – oder noch besser: Aprikose, wenn du es da hast.“
Noch wusste Eduard nicht, dass er in zweieinhalb Jahren die zarteste Aprikose seiner bisherigen Welt in den Händen halten sollte. Aber zunächst – kam Al.
Während Marcel an Eduards Spitzen manipulierte und schnitt, rührte sich etwas neben ihm. Ein eleganter Mann mit dunklen Augen, Kurzhaarschnitt und einem steifen, ziemlich sinnlichen Anzug hatte am Fenster Platz genommen. Er wurde von Marcels Compagnon Gustav schnell und zielsicher auf die Haarschneidetechnik gelenkt, die seinen Schopf noch präziser machen sollte. „Ein Pony“, sagte er, „das würde Ihnen großartig stehen.“ Der Fremde zögerte. Zog die Brauen zusammen, sah kurz zu Eduard und Marcel hinüber. Dann blickte er wieder geradeaus in die Spiegel. Ein Pony würde Extensions bedeuten, das hatte ich eigentlich nicht vor. „Es soll natürlich aussehen. Auch wenn es künstlich ist.“ Eduard blieb kurz der Atem stehen. Er verharrte, ließ sich von Marcel den neusten Klatsch erzählen, war selbst ungewöhnlich still. Natürlich, aber künstlich. Wo hatte er das zuletzt…
„Das bekommen wir hin“, sagte Gustav und legte dem Fremden den Umhang um.
Die Missweisung nimmt gravierend zu, Kompassnadeln verlieren die Richtung, Zeigen nach West-Ost, statt Nord-Süd. Orientierungen gehen verloren, wenn Rechts und Links die Seiten tauschen. Diskrepanzen zuhauf, Missverstehen Und Nicht-verstehen-wollen überall. Ohne Halt steuern Schiffe auf Klippen. Die Kanonen sind geladen, die Stimmen Schon heißer vom Rufen in der Wüste. Niemand hört den Anderen schreien, Und die Kompassnadel dreht im Kreis. Kein Ort ist sicher, nirgends ein Ausweg. Doch morgens ein Sonnenaufgang von Erhabener Schönheit nach dunkler Nacht, Orientierungsloses treiben im Nebel auf Dem Meer einer ungewissen Zukunft.
Für unseren liebsten Dandy. Möge deine Schönheit nie unbemerkt bleiben. – Carl & Guido
Es läutete. Schon wieder. Eduard ließ die Gabel sinken und sah zu Vyvyan, der andächtig seine Oliven löffelte. »Können die uns nicht mal am Abend in Ruhe lassen? Geh du. Ich tranchiere derweil das Fleisch.« Vyvyan legte den Löffel ab, schob die Oliven fort. Dann erhob er sich mit wenig Energie und ging zur Wohnungstür. Die Klingel schrillte, mehrmals, in kurzen Abständen.
»Ja, ja«, rief er und rieb sich die Flanken. Er hatte heute alle Bilder allein in die Galerie geschleppt und die Hängung bestimmt. In der Tür stand Frau Schlimm. Frau Schlimm mit einem Päckchen und einem Queens-Hat, der aussah, als hätte er mehr Meinungen über die Welt als sie selbst. Nervös hielt sie Vyvyan den Karton entgegen.
»Nehmen Sie schon. Seit Stunden versucht mein Onkel, Sie zu erreichen. Alles landet immer bei uns im Flur. Und dann auch noch – so was. Nehmen Sie es und belästigen Sie uns nicht mehr.«
Vyvyan zuckte, griff nach dem Päckchen. »Für mich?« fragte er erstaunt. Er hielt es fest, ohne darauf zu schauen, strich sich eine Locke aus der Stirn. Richtete sein Hemd, das offen stand und seine zarte Brustbehaarung entblößte. Vielleicht war Frau Schlimm deshalb so nervös. Er neigte sich zu ihr hinunter. Frau Schlimm fuchtelte.
»Nun gehen Sie wieder rein, mein Onkel wartet auf mich.«
Unten brummte der Rasenmäher. Der Onkel hatte Wohnrecht und war für die Rasenpflege zuständig. Ein Hauch frisch gemähtes Gras streifte Vyvyans Nase.
»Auf Wiedersehen«, sagte er höflich und schloss die Tür. Noch immer verwundert und etwas benommen ging er zu Eduard in den Salon. Auf seinem Teller lag bereits eine Scheibe Fleisch und grüner Spargel. »Wieder die Schlimm? Was wollte sie diesmal?«
»Sie hat ein Päckchen gebracht.« »Für Dich?«
Vyvyan legte das Päckchen auf den Tisch. Sein Name stand in schnörkelfreier Handschrift auf dem Etikett. Herr Vyvyan Fuller. Absender: Carl und Guido. Daneben eine Abbildung, die den vorgesehenen Einsatzbereich unverblümt zeigte. Vyvyan spürte, wie er rot anlief. »Was …«
Eduard lächelte. »Ach Vyv, Guido und Carl haben es wohl gut mit dir gemeint.«
Vyvyan riss den Karton auf, schlug das Papier zur Seite. Eine Karte mit einer Karikatur von Aubrey Beardsley und einem sehr persönlichen Gruß fiel heraus, darunter lag das eigentliche Geschenk. Eduard nahm es in die Hand. Drehte und betrachtete es.
»Das ist ein sehr … gut gearbeiteter… Rosettenspreizer«, sagte er. »Sie sparen wirklich nicht, wenn es um dich geht.«
Er jedenfalls, auf seinem harten Hocker sitzend, davon erzählt er doch eigentlich, er war der über den Meeresgrund wandelnde Oktopus, und dieser über dem Meeresgrund wandelnde Oktopus hat einen Kopf gesehen, einen aus dem Meeresgrund ragenden Menschenkopf, einen halb im Meeresgrund verschwundenen Menschenkopf, und er ist dorthin geschwommen, ist sofort zum Menschenkopf geschwommen, und, dies hat er erst ganz aus der Nähe gesehen, der im Meeresgrund halb versunkene und halb verschüttete Menschenkopf war eigentlich eine Vase, eine Vase in Form eines Menschenkopfes, eine Vase mit Mund und Nase und Augen und einer Öffnung für das Wasser und die Blumen, ein Kopf für Blumen am Meeresgrund, randvoll gefüllt mit Meerwasser, und er, der Oktopus, ist zu dieser Vase geschwommen, er hat diese Vase mit seinen acht Armen untersucht, er hat gefühlt, wie der Oktopus das Innere der Vase ausgemessen hat, wie er das Innere des Kopfes mit den Armen ausgemessen hat, und er hat gefühlt, wie sich der Oktopus kleiner gemacht hat, wie der Oktopus seine acht Arme zusammengedrängt hat und sich mit seinen acht Armen in die im Meeresboden halb versunkene Vase gezwängt hat. Er saß auf dem Hocker und zugleich saß er in diesem Kopf am Meeresgrund, er saß im Kopf am Meeresgrund und er lugte aus dieser Vase für Blumen hinaus.
Die Sonne verhakte sich in den Vorhängen und gab ein blasses Zitronengelb ab.
Vyvyans Blick ging in Richtung der Gardine und blieb dort haften. Wieder war da dieses weiche, durchlässige Empfinden auf der Haut, das langsam bis in die tiefsten Schichten seines Körpers sickerte. Wie in Schneckenschleim getränkt fühlte es sich an. Er dachte an die Austern, die Al gestern Abend mitgebracht hatte, und die rosarot und grau in der Suppe schwammen. Sie hatten sie alle ausgeschlürft.
Neben ihm bewegte sich die Bettdecke. Vyvyan griff danach.
Elou?
Eduards Körper rollte sich ein. Schuldbewusst, wie immer. Und warm. Wie immer.
Du hast … ich meine – eben beim Aufwachen … hatte ich …
Meine Schwester – das Leben – hat als Regen sich heute An die Leiber aller Wesen, den Frühling, verteilt, Doch die schmuckverzierten Körper all der unzufriedenen Leute Stechen, stacheln ihre Freude, dass sie nicht hier verweilt.
Alle älteren Menschen haben dafür eigene Gründe. Zweifelsohne, zweifelsohne ist lachhaft dein Grund. Dass der Rasen und die Augen lila werden bei Gewitter Und nach muffiger Reseda riecht der Horizont.
Dass im Mai, wenn du das Kursbuch liest, Mit dem Zauberzweiglein in deinem Kupee, Es grandioser ist als die heilige Schrift Und das staub- und sturmbesetzte schwarze Kanapee.
Dass, kaum hat zu winseln begonnen ein bremsender Leib An friedlichen Dörflern in abgelegenem Dschumm, Sie aus Matratzen lugen, ist nicht das mein Bahnsteig, Und die Sonne, sich setzend, macht sich mit mir krumm.
Und zum dritten lostanzend, schwimmt ein Glöckchen dahin In purem Bedauern: tut mir leid, hier nicht. Nimmt es mit hintern Vorhang unters glühende Kinn Der Steppennacht, deren Sprossen es verteilen hinan ins Licht.
Blinkend, blinzelnd, doch irgendwo schlafen sie süß, Liegt die Fata Morgana der Liebsten im Bette Zu der Stunde, da das Herz, durch Waggons tanzend wüst Mit dem Schlagen der Wagentüren sich zerstäubt in der Steppe.
Vyvyan überlegte, sich ein Tattoo stechen zu lassen. Er war sicher, welches Motiv er wählen würde – nur wusste er nicht, welche Stelle seines Körpers es schmücken sollte. Er hatte Angst, Al oder Elou zu befragen, weil ihre Vorschläge sicher nicht getroffen hätten, was er sich insgeheim vorgestellte.
Vorsichtig betrat er das Wohnzimmer, in dem Eduard und Alan beratschlagten, wen man am nächsten Wochenende einladen wollte, und ob einer von den Twinks mitgebracht werden sollte, die Vyvyan eventuell »toppen« könnte, wie Alan sich ausgedrückt hatte. »Wieso soll ich die toppen«, hatte Vyvyan gefragt, und das Sonnenlicht im Wohnraum war ihm zu hell gewesen, die Kisten, Zeichnungen, Bücher und das ganze Buffet mit dem Essen seltsam akkurat zur Seite geräumt. Wer von den beiden es gemacht hatte, Vyvyan wusste es nicht. Gestern Abend hatte das Zimmer noch samtig, bunt und fröhlich geleuchtet, sanft gedimmt, im Abendlicht, nun war es ein greller funktionaler Raum. »Was beratschlagt ihr«, fragte er und sein Herz meldete sich mit unstetem Klopfen. Alan wandte sich um. »Vyv, wir haben gerade überlegt, wen wir am Wochenende einladen. Wärest du einverstanden, wenn wir … Mermaid und Twinky mit dazu nehmen? Sie sind sehr jung und schüchtern, und Twinky ist ein … absoluter Beginner. Er nimmt dein Foto mit ins Bett und küsst es jeden Morgen, das hat er mir jedenfalls gestern unter Tränen gestanden.« Vyvyan machte keinen Schritt in Richtung der riesigen Couch, auf der seine beiden Liebhaber saßen. Statt dessen sagte er, »Al, Elou, ich glaube, ich möchte mir ein Tattoo stechen lassen. Einen … Skorpion, weil er mich an … an das Sternzeichen meiner Schwester erinnert.«
Alan und Eduard drehten sich gleichzeitig um. »Das ist eine … eine wunderbare Idee, Vyv«, begann Eduard, »aber … ein Skorpion?«
Alan unterbrach ihn. »Sei vorsichtig, Elou. Du verletzt ihn. Er muss seine Entscheidungen selbst treffen. Und einen Skorpion … hat nicht jeder.«
»Nimm die süße Stelle über deinem Nabel«, fiel Eduard sofort ein.
Die Sonne zog einen Schleier aus Wolken vor ihr zu grelles Gesicht. Über seinem Nabel. Oder etwas versetzt daneben. Er hob das Hemd, das zu seinem Schlafanzug gehörte, und zeigte auf die Stelle. Die beiden Männer auf der Couch beugten sich zu ihrem Geliebten. »Das wird sehr schön für uns drei. Vielleicht auch noch für andere.« sagte Alan und seine Stimme bekam die Zauberkraft, die Vyvyan dazu veranlasste, das Glas mit dem Orangensaft, den Eduard ihm ausgepresst hatte, und der seit dem Morgen unangerührt dort auf dem Esstisch stand, in die Hand zu nehmen und ihn schluckweise zu trinken.
»Ich kann nicht toppen, Al«, hatte er vorgestern noch gesagt, als der Gedanke zum ersten Mal ausgesprochen wurde. »Natürlich kannst du das«, hatte Alan gesagt und seine Hand gehalten wie damals bei Lorys, bei ihrem ersten Zusammentreffen. »Elou hat es mir doch erzählt.«
»Das ist etwas anderes. Das ist … Elou. Bei ihm …«
»Wenn du es gar nicht willst, lassen wir es«, sagte er jetzt. »Es war eine dumme Idee von mir, nicht wahr Elou« – er wandte sich an Eduard, wie schlichtend, »eine sehr dumme Idee, weil ich dachte, er …« er sah zu Vyvyan, der noch immer unschlüssig auf die Stelle auf seinem Bauch starrte, die von schwarzer Tinte, verziert werden sollte, »eine wirklich sehr dumme Idee, Twinky und Mermaid so … heiß zu machen, und dann noch mit dem Foto. Man lernt eben nie aus. Ich hätte nicht gedacht, Elou, hätte nie gedacht, dass dein Junge so … sensibel ist.«
»You can’t eat your words, Al,« sagte Eduard nur. »Vielleicht sollten sie sich einfach nur mal … kennen lernen. Nicht bei Lorys, nicht bei uns, oder doch bei uns. Wir kochen was zusammen.«
Zusammen was kochen. Vyvyan zuckte und ließ sein Hemd endgültig fallen. Das Licht streichelte seinen Schlafanzug. »Also gut«, sagte er. »Wir kochen, ich entscheide. Keine Versprechen. Egal, wie viele Fotos Twinky sich an die Brust heftet. Egal, wie oft er weint.«
Sein Blick im Sonnenlicht. »So eisiges Violettblau«, murmelte Eduard und sah Alan an. Der verstand. »Wir dürfen ihn nicht überfordern. Wir sind schon … nein, nicht weiter als er. Vielleicht nur … kalt.«