Meldung: Auf dem Saturnmond „Enceladus“ sind die Bedingungen für Leben günstiger, als bisher gedacht.
Ich starre auf das Geschirrhandtuch, mit dem ich eben noch den Teller trocken gerubbelt habe. Es weist eindeutig winzige, braun-schwarze Flecken auf. Auch hier scheinen die Bedingungen für Leben günstiger, als bisher gedacht.
Was bleibt von einem Menschen, wenn sein Leben von der Geschichte überrollt wird? Und was bleibt von einer Liebe, die Gefängnis und politische Gewalt, jahrzehntelange Trennung und Entfernungen über die halbe Welt überdauert? Augen im Rücken erzählt diese Geschichte, nicht als historischen Roman im herkömmlichen Sinn, sondern als Erinnerungsschübe einer Frau, die gelernt hat, daß die Vergangenheit nicht einfach vergangen ist.
Hanna Herder, geboren im Jahr 1900, ist eine ungewöhnliche Heldin. Als junge Sinologiestudentin verläßt sie Deutschland und geht 1931 in die Mongolei. Dort verliebt sie sich in Lemo Genden, einen Pelzjäger – was als Abenteuer zwischen fremder Landschaft, kulturellen Unterschieden und großer Leidenschaft beginnt, gerät bald in die politischen Verwerfungen der Zeit. Die Mongolei der frühen dreißiger Jahre ist kein exotischer Freiraum, sondern ein Land im Umbruch: kommunistische Modernisierung, antireligiöse Kampagnen, soziale Zwangsmaßnahmen und politische Verfolgung verändern die Gesellschaft radikal. Hanna gerät ins Visier der Behörden, wird als konterrevolutionäres Element und „amerikanische“ Spionin verdächtigt und schließlich verhaftet.
Aus der Reisenden wird eine Gefangene. Die Jahre der Haft bilden einen dunklen Kern des Romans. Hanna erlebt Isolation, Verhöre, Schlafentzug und die Begegnung mit anderen Gefangenen. Die Erfahrung in der Gefangenschaft verändert ihren Blick auf das Land ebenso wie auf sich selbst. Danach führt ihr Weg nach Hankou in China und 1949 schließlich zurück nach Deutschland, nach West-Berlin. Erst zwei Jahre später trifft sie Lemo wieder. Die große Liebe ist plötzlich nicht mehr Erinnerung, sondern wieder gegenwärtig: komplizierter, widersprüchlicher und verletzlicher, als die Erinnerung sie bewahrt hat.
Augen im Rücken ist vor allem ein Roman über Erinnerung. Der Titel bezeichnet eine mongolische Redewendung und zugleich das poetische Prinzip des Romans: Wer zurückblickt, sieht nicht einfach die Vergangenheit, sondern ein Spiegelbild der Gegenwart. Szenen tauchen auf, brechen ab, kehren verwandelt wieder. Das Geschehene wird nicht chronologisch erzählt, sondern psychologisch erfahren – dies verleiht dem Roman eine eigentümliche Sogwirkung.
Seine stärkste Figur ist Hanna selbst: keineswegs die makellose Heldin eines historischen Schicksalsromans, sondern mitunter impulsiv, arrogant, eifersüchtig und selbstgerecht. Sie urteilt vorschnell und erkennt manches erst spät; Widersprüche machen sie glaubwürdig und menschlich nahbar. Hanna ist zunächst fasziniert von der Mongolei, von Landschaft, Menschen und der vermeintlichen Fremdheit. Allmählich erkennt sie, daß auch ihr eigener Blick von Projektionen getragen ist. Die Fremde wird nicht nur zum Gegenstand ihrer Beobachtung – sie beginnt, den Blick der Beobachterin selbst zu beobachten.
An diesem Punkt gewinnt der Roman eine überraschende Aktualität. Seine Auseinandersetzung mit den sogenannten Völkerschauen und mit dem europäischen Blick auf „fremde“ Kulturen bleibt nicht bei einer historischen Anklage stehen. Sie führt zurück zur Frage, wie Wahrnehmung überhaupt funktioniert: Was sehen wir – und was legen wir in das Gesehene hinein? Hanna entdeckt, daß sie Erinnerungen (re-)konstruiert, indem sie ihre eigene Lebensgeschichte erzählt und sie sich mit jedem Blick zurück verändern.
Literarisch lebt das Buch von seiner Sprache. Kurze Satzfolgen, abrupte Schnitte, Bildsprünge und sinnliche Wahrnehmungen erzeugen eine nervöse, manchmal geradezu filmische Dynamik. Geräusche, Gerüche, Farben und Körperempfindungen werden zu Erinnerungsträgern. Metaphern und Synästhesien verleihen vielen Passagen eine poetische Dichte. Besonders dort, wo die Sprache nicht erklärt, sondern wahrnimmt, besitzt der Roman seine größte Kraft.
Allerdings erscheint diese sprachliche Intensität nicht durchgehend gebändigt. Gelegentlich häufen sich die Metaphern, rhetorischen Fragen und psychologischen Deutungen derart, daß d eher erklärt als erzählt wird. Manche Passagen wollen dem Leser nochmals genau erläutern, was die Handlung oder die Figur längst bereits vermittelt hat. Auch manche Nebenepisoden wirken wie historisches Recherchematerial, das in die Romanhandlung integriert wurde, als wie organisch aus ihr erwachsende Erzählung.
Hinzu kommen hier und da handwerkliche Unstimmigkeiten, terminologische und formale Inkonsistenzen. So wird einer Berlin-Passage, deren Kapitelüberschrift „Juni 1951“ nennt, im Text selbst auf Ende April datiert… Solche kleinen Brüche stören gerade in einem Roman, der so stark mit Erinnerung und Zeit arbeitet, sie berühren aber nicht die eigentliche literarische Substanz.
Topographisch spielt Augen im Rücken an einem reizvollen Schauplatz, der in der deutschsprachigen Literatur äußerst selten literarisch aufgegriffen wird. Die Mongolei der dreißiger Jahre erscheint nicht als dekorative Kulisse, sondern als politisch und kulturell umkämpfter Raum. Die Erfahrungen von kommunistischer Repression, antireligiöser Politik, Gefangenschaft und sowjetischem Einfluß geben dem Roman historische Tiefenschärfe. Vor diesem Hintergrund erscheinen einzelne Details in den Gefängnisszenen eher für den späteren Höhepunkt des mongolischen Terrors von 1937/38 als für die Repressionspraxis der frühen dreißiger Jahre zu sprechen. So ist im Buch beispielsweise zu lesen: „In Handschellen oder mit archaischen Halseisen versehen. Auf dem Rücken steht in Mongolisch Verbrecherin.“ Wird hier unbeabsichtigt eine eher allgemeine Vorstellung vom Stalinismus auf die Mongolei übertragen?
Seine eigentliche Stärke entfaltet der Roman dort, wo Geschichte und private Erfahrung ineinandergreifen. Hanna erlebt die große Politik nicht aus der Perspektive eines Staatsmannes oder Chronisten, sondern aus der einer Person, deren Leben plötzlich von politischen Ereignissen durchgeschüttelt wird. Ideologien erscheinen nicht als abstrakte Systeme, sondern als etwas Konkretes, das wie Nebeltröpfchen in Beziehungen, Körper, Ängste und Entscheidungen eindringt. Die politische Geschichte der Mongolei wird zur persönlichen Geschichte einer Frau.
Und über allem steht die Liebesgeschichte zwischen Hanna und Lemo. Die Wiederbegegnung nach fast zwei Jahrzehnten stellt nicht einfach eine verlorene Liebe wieder her; sie zwingt Hanna vielmehr zu der Frage, ob sie den wirklichen Lemo liebt oder den Lemo ihrer Erinnerung. Damit schließt sich der Kreis zum Titel: Die Vergangenheit hat „Augen im Rücken“ – aber sie sieht niemals vollkommen objektiv und klar.
Augen im Rücken ist ein anspruchsvoller, historisch grundierter Erinnerungs- und Beziehungsroman, dessen eigentliche Stärke weniger in einer spektakulären äußeren Handlung als in der psychologischen Rekonstruktion einer Frau liegt, die ihre Vergangenheit nachträglich verstehen will. Sein Anspruch liegt vielleicht darin: Dieser Roman will nicht nur erzählen, was gewesen ist. Er fragt, wie wir uns daran erinnern – und was aus uns wird, wenn das Erinnerte plötzlich wieder vor uns steht.
Jenem Zifferblatt, das mir gegenüberstand, fiel in dem Augenblick, als es mir etwas sehr Wichtiges mitteilen wollte, der kleine Zeiger aus dem Gesicht. Der große Zeiger wies auf Halb, doch ich wusste nicht, ob Halb drei, Halb acht, oder Halb zwölf oder eine andere Zeit gemeint war: Die wichtige Mitteilung habe ich nie erfahren.
Sie stehen in einer Reihe, und jeder hat eine andere Nase, einen anderen Mund, ein anderes Gesicht. Einer von ihnen muss der Täter sein. Der große Kommissar tritt mit dem Zeugen ein, der sich die Männer der Reihe nach genau ansieht.Dann schüttelt er den Kopf:
„Nein, der Täter trug einen Schnurrbart.“
Der Zeuge muss hinausgehen, den Männern aber klebt man je einen Schnurrbart an, auf dass der Zeuge den wahren Täter wieder erkenne. Zu welchem Zweck er wieder hereingebeten wird. Er schaut sich die Männer der Reihe nach genau an und stellt fest:
„Nein, so hat er nicht ausgesehen, der Täter trug eine Brille.“
Man schafft Brillen herbei, und der Zeuge muss ein zweites Mal den Raum verlassen.
Jedem Verdächtigen wird eine Brille aufgesetzt, dann darf der Zeuge wieder eintreten. Er schaut sich die Männer der Reihe nach genau an und ruft dann, vorwurfsvoll mit dem Zeigefinger auf den zweiten von links deutend, aus:
„Nein, nein, dieser da, der hat eine viel zu lange Nase!“
Die Tatverdächtigen werden abgeführt.Nachdem man bei dem Langnasigen eine Nasenkorrektur vorgenommen hat, führt man sie erneut dem Zeugen vor. Der schaut sie sich der Reihe nach genau an, betrachtet lange jeden einzelnen, schreitet die Reihe mehrmals auf und ab, bleibt stehen und kneift die Augen zusammen, um das genaue Bild des Täters aus seiner Erinnerung hervorzuholen.
„Es tut mir Leid, aber der Täter hatte ein blasseres Gesicht“, haucht er schließlich mit tiefem Bedauern in der Stimme und muss wieder abtreten.
Während er im Nebenzimmer wartet, pudert man die die verdächtigen Personen. Dann tritt der Zeuge wieder ein und begutachtet die gepuderten, bebrillten und beschnurrbarten Männer genauestens.Nachdem er den letzten unter die Lupe genommen hat, erhellt sich sein Gesicht vor Freude, er ist zufrieden.
„Ja!“, ruft es jubelnd aus ihm heraus, „jetzt stimmt es genau, so hat der Täter ausgesehen!“ „Dieser ist der Täter, und der da ist der Täter, und auch der nebenan ist er Täter, und jener dort ist auch der Täter!“, stellt er mit fröhlich hüpfendem Zeigefinger fest. Die Männer werden abgeführt und eingesperrt. Der große Kommissar notiert in seinem Taschenkalender am Donnerstag, dem 14. September: „Überfall im Bahnhofsviertel aufgeklärt.“
Es war nicht jener Tag, an dem es am Nachmittag zu regnen begann. Das Einmaleins hatte man uns schon beigebracht, aber nur bis Fünfmalsieben, die Lehrerin wusste nicht weiter oder es war verboten.
So glaubten wir, dass es Fünfmalacht nicht gibt und blieben auch weiterhin fest davon überzeugt.
An einem abgelegenen Bahnhof hat man uns am Bahnsteig abgestellt. Wir sollten auf einen Zug warten, wussten aber nicht auf welchen und wohin er fährt. Der Zug kam nicht.
Ein Geisterzug ohne Lokomotivführer fuhr vorbei. Nebelgesichter winkten uns mit langen weißen Schleifen aus den Waggon-Fenstern zu. Wir schauten ihnen nach, dann waren sie weg. Die Lehrerin sagte, »ein Zug ist vorbeigefahren«.
Es gab Kunstblumen am Bahnhofskiosk, Limonade und verblühte Zeitungen. Der Wind spielte mit der Möglichkeit von Regenwolken. Das Warten auf einen Zug und auf Regenwolken war festgenagelt. Ausgedorrte Maisfelder entlang der Bahnschienen, zwischen den Gleisen mit weißem Staub bestreutes Gras, Es wuchs hartnäckig aus dem Schotter.
Der Blickpunkt, der vom Standpunkt bestimmt wird, von dem aus man etwas sieht oder nicht sieht, ist jener Punkt, der in einer gepunkteten Landschaft überhaupt nicht auffällt. So gesehen ist es fast unmöglich, dass einer einen falschen Standpunkt hat, unübersichtlich jedoch die Unzahl der verschiedenen Blickpunkte und die sich daraus ergebenden Ansichten. Für jene, die ihre Ansichten im richtigen Augenblick preisgeben, gibt es schöne Aussichten, was einen Standpunkt vollständig ersetzen kann.
Sie standen mitten im Bildschirm, sie standen vor dem Fenster, gingen im Zimmer umher, von rechts nach links bis an den linken Rand oder von links nach rechts bis an die rechte Wand, sie sprachen, aber man konnte nicht mit ihnen reden, man konnte sie nur abrufen und andere kommen lassen, die auch von einem Rand zum anderen gingen. Sie machten viel Ulk und einige Witze, sie taten so, als freuten sie sich. Sie nippten an ihren Gläsern, andere zogen sich zurück und waren nicht mehr zu sehen, und jene, die blieben, verweigerten die Aufnahme eines Gesprächs DARÜBER, sie drückten sich davor, indem sie an Salzstangen knabberten, belegte Brote aßen oder sich die Hände waschen mussten. In den Lexika und den Lehrbüchern, in denen ALLES stehen müsste, kann man ES auch nicht finden, eine Definition widerspricht der anderen, die Erklärungen neutralisieren sich gegenseitig. Anspielungen DARAUF fand ich einmal vor längerer Zeit in einer Zeile, ES war nur so nebenbei gestreift worden, ich weiß nicht mehr, welcher Verfasser diese Streifen in meiner Erinnerung verursacht hatte, verstand ES nicht ganz, hielt ES aber für wichtig. Ich könnte ES nicht nennen, wenn man mich DANACH fragte, fand nirgendwo einen Namen DAFÜR. Meine Eltern hatten, DANACH gefragt, die Achseln gezuckt, die Lehrer zuckten sie auch, jeder zuckte die seinen, ein trauriges Achselzucken ging von Mann zu Mann, von Frau zu Frau, von Mann zu Frau, der Pfarrer wusste nur, was in der Bibel stand, das Achselzucken ging weiter von Kind zu Kind, von Kind zu Frau und von Kind zu Mann. Und als sie alle nur Frauen und Männer waren und es keine Kinder mehr gab, wollte keiner mehr etwas DAVON wissen und man zuckte nicht einmal mehr die Achseln, obwohl sie alle Achseln hatten. Sie sprechen noch immer über dies und jenes, aber nie DARÜBER – wenn ich nur wüsste WORÜBER!
Es gab einen Tag, als meine Tochter, meine Mutter und ich selbst zur gleichen Zeit 15 Jahre alt waren. Meine Mutter hatte einen kleinen Unfall, sie war auf den Zwetschgenbaum im Garten gekraxelt und hatte sich beim Heruntersteigen an der rauen
Rinde am Knie verletzt. Sie stieg mit 15 Jahren noch auf Bäume, konnte es nicht lassen. An jenem Tag blutete ihr linkes Knie heftig, sie schrie: «Es tut weh! » Ich
verband ihr das Knie und wollte sie trösten, sagte das zu ihr, was sie auch immer sagte, wenn ich Bauchweh hatte, sagte : »Ich habe auch, als ich so….«. Ich weiß nicht mehr, was ich weiter sagte.
Wir saßen zu dritt am Tisch in der Küche und schauten uns ein Fotoalbum an. Dann beschlossen wir, dass dieser Tag der 23. Oktober sein soll, an dem die Welt neu anfängt. Ich ging in den Keller Kartoffeln holen, die meine Tochter waschen und schälen sollte, meine Mutter wollte sie in der Pfanne braten, sie hatte schon das Feuer in dem alten Herd
angefacht, blies noch einmal kräftig, dass die Flammen hoch aufloderten und die Späne knisterten. Damals, am 23. Oktober, gab es noch keine elektrischen Herde.
Nach dem Verzehr der gebratenen Kartoffeln gingen wir alle drei an die Brücke, wo wir drei Jungs trafen. Meine Tochter aber sah, dass es nicht jene waren, die sie sehen wollte, und wir kehrten um. Ich ging wieder in den Keller und kühlte mir die Hände in dem Sand, in dem wir die Melonen kühlten. Meine Mutter und die Omama aber warteten schon auf mich in der Küche.
Eine von uns Dreien schaute zum Fenster hinaus, der Tisch, an dem wir saßen, stand neben dem Fenster, meine Tochter schaute in den Garten. Dort stand eine fremde Frau und wollte am Ast des Zwetschgenbaums, an dem ich mein Knie verletzt hatte, eine Schaukel anbringen. Ein breites Brett hing an zwei Stricken. Meine Mutter aber rief zum Fenster hinaus, der Ast sei morsch, er werde nicht halten.
Ich aber sagte zu meiner Tochter: »Lass die Finger von dem, der ist ein Hallodri, der wird dich enttäuschen, lass den Kerl laufen, gib ihm den Laufpass. Du hast keine Ahnung, bist noch zu jung, wenn ich den in die Finger kriege…«
Ich drehte mich um zu ihr und antwortete meiner Mutter, schrie sie an: »Warum machst du mir wieder alles kaputt, immer wieder machst du mir alles kaputt, du verstehst nichts,
du verstehst überhaupt nichts!«.
»Pass doch auf dich auf, lass den Kerl laufen«, sagte meine Großmutter zu meiner Mutter, meine Mutter heulte und schniefte und konterte: »Du weißt auch immer alles besser, du kannst es gar nicht wissen«, plärrte es aus mir heraus, »du kennst ihn gar nicht, er ist nicht so, du verstehst das nicht, dazu bist du schon zu alt«, plärrte meine Mutter meine Großmutter an.
»Überhaupt nichts verstehst du«, schluchzte meine Tochter und sah mich vorwurfsvoll an, dann sagte mit samtener Stimme meine Mutter zu mir, »ich will ja nur dein Bestes, und
»du willst alles kaputt machen, du verstehst überhaupt nichts«, sagte meine Mutter zu meiner Großmutter und heulte, während mir die Tränen über das Gesicht rollten, bis in die
Mundwinkel, ich schluckte sie, sie schmeckten komisch, gebratene Kartoffeln, versalzen.
»Ich will ja nur dein Bestes«, sagte meine Mutter zu meiner Tochter, »das geht dich gar nichts an«, sagte eine von den Dreien zu einer von den Dreien, »lass den Kerl doch
laufen«, »das verstehst du sowieso nicht, das geht dich gar nichts an«, sagten wir am 23. Oktober. Es kam dann aber alles ganz anders.
Alles ist relativ, wie die Zeit so die Bedeutung. Zeiten Wie diese bringen lange Verse hervor, die Technik drückt eine Form des Ungeformten aus, Nonsense will dauern; Winde wehen.
Worte verwehen im Wind. Dinge bleiben, Grenzen. Der Übertritt immer ein Ereignis, Tritte am Berg etwas anderes als Beim Fahrradfahren. In sakraler Dimension wirkt Schwerkraft.
Zwei Romane, ein Epos, ein Gedichtband: langsam bis schnell Die gedachten Worte im Kopf; der Sinn eine These auf der para- Digmatischen Achse – – Rest biographisch … einzig György Petri wehrt sich..!
Es geht um den Brummer, der hier gerade drin ist, den ich mit den Augen nicht erkennen kann. Ich weiß nicht ob es eine Hornisse, etwas Harmloses, oder eine Drohne ist
Die wichtigste Nachricht vorweg: Egal, welches Lebewesen da gerade fliegt – es hat kein Interesse daran, Sie anzugreifen. Insekten fliegen in Räumen meist völlig desorientiert umher, weil sie vom Licht angelockt wurden oder den Ausgang nicht finden.
Hier ist eine schnelle Übersicht, was den Lärm verursachen könnte und wie gefährlich das Tier wirklich ist:
1. Eine Hornisse (Europäische Hornisse)
Aggressivität:Völlig friedlich. Laut dem NABU sind unsere heimischen Hornissen extrem scheu und ergreifen bei Bedrohung eher die Flucht. Sie fliegen im Gegensatz zu normalen Wespen auch nachts und werden stark von Raumbeleuchtung angezogen. [1, 2, 3]
Gefahr: Ein Stich ist nicht giftiger als der einer Biene. Hornissen stechen nur, wenn man sich ihrem Nest nähert oder sie direkt einquetscht (z. B. wenn man sich versehentlich auf sie setzt). (Hinweis: Die invasive Asiatische Hornisse ist deutlich aggressiver, fliegt im Normalfall jedoch nicht nachts in Wohnungen). [1, 2, 3, 4, 5, 6]
2. Ein Maikäfer oder Junikäfer
Aggressivität:Absolut null. Diese Käfer sind vollkommen harmlos, besitzen keinen Stachel und können weder beißen noch stechen.
Flugverhalten: Sie sind extrem schlechte Flieger. Sie brummen unglaublich laut (oft wie eine Mini-Drohne) und knallen unkoordiniert gegen Wände, Lampen oder Fensterscheiben. Manchmal verfangen sie sich aus Versehen in Haaren oder Kleidung. [1, 2, 3, 4]
3. Eine Hummel oder Holzbiene
Aggressivität:Sehr friedlich. Hummeln und die großen, tiefschwarz-bläulichen Holzbienen brummen sehr tief und laut.
Gefahr: Sie wehren sich nur unter extremem Druck. Holzbienen sind völlig harmlos und Hummeln stechen fast nie, es sei denn, man tritt barfuß auf sie. [1]
4. Eine Drohne (Technik)
Aggressivität: Ein technisches Gerät hat natürlich kein Bewusstsein oder Aggressionen. Eine Drohne fliegt in einer Wohnung allerdings nur dann, wenn jemand sie dort steuert. Das Summen von Drohnen-Rotoren klingt meist deutlich höher, mechanischer und gleichmäßiger als das vibrierende, leicht unregelmäßige Brummen eines Insekts.
Sofort-Tipp: So bekommen Sie den Brummer raus
Schalten Sie das Licht im Zimmer komplett aus.
Öffnen Sie das Fenster sperrangelweit.
Wenn es draußen dunkel ist und draußen eine Straßenlaterne brennt, fliegt das Tier meist von allein zum Licht nach draußen.
Ist es draußen stockdunkel, können Sie draußen vor dem Fenster kurz eine Taschenlampe anmachen, um dem Tier den Weg zu zeigen.
Brummt das Tier ununterbrochen im Kreis oder fliegt es panisch gegen Hindernisse? Wenn Sie mir die Tageszeit nennen oder das Brummen beschreiben (tiefes Vibrieren oder hohes Summen), kann ich den Übeltäter noch genauer eingrenzen.
NABUHornissen: Friedliche Brummer – NABUIst eine Umsiedlung von Hornissennestern unvermeidlich, sollte man sich für nähere Informationen ebenfalls an die örtliche NABU-Gr…
VogtlandkreisHornissen: Spätsommer ist Hochsaison der »großen Brummer29.08.2025 — Die großen „Brummer“ bevölkern Dachböden, Balkone, Gartenlauben oder freistehende Gebälke mit Nestern, die zwischen 200 300 Tiere …
lbv.deMythos Hornisse: Nicht aggressiv und nicht gefährlich – LBVMythos Hornisse – Nicht aggressiv und auch nicht gefährlich! Hornisse hängt an grünen Pflanzen im Sonnenlicht und saugt an den Blü…
Guido war aufgesprungen, noch bevor er den Löffel in die Linsensauce getaucht hatte. Nun stand er wieder in der Küche und schnitt Baguette in Scheiben, die er in den Korb zu den Vollkornkräckern legte. Dabei pfiff er Killer Queen in einer Lautstärke, die Vyvyans Ohren zittern ließ.
»Guido, setz dich hin. Du rennst zu viel«, mahnte Carl.
»Er denkt einfach an alles«, sagte Eduard leise.
»Ja«, seufzte Carl und nahm einen Schluck Rotwein. »Es ist sozusagen seine Berufung.«
Alle wussten, dass Guido als Escort arbeitete.
»Ihr habt doch eine Menge Flüssigkeit zum Aufsaugen«, rief er aus der Küche. »Da ist Brot vonnöten.«
Vyvyan hob die Schultern. Träge saß er in der Sonne und ließ sich die Wärme auf der hellen Brust unter dem transparenten, mit lila Stickereien verzierten Hemd gefallen, während Guido den Brotkorb herumreichte.
Im Zug hatte er zu Eduard gesagt: Guido lebt doch gut von seinen Blow- und Handjobs. Sie waren an einem Waldstück vorbeigefahren, dessen Bäume schon stellenweise von der Hitze verdorrt waren.
»Du hast dir Guido bestellt«, sagte Eduard nur.
Nun schob Eduard seinem Freund eine Scheibe Baguette herüber, bevor er sich selbst eine nahm..
Am Abend schenkte Vyvyan Guido eines seiner besten Bilder. Üppig wie Klimt und kühl wie Schnee auf Glas.
»Es ist das Privateste, was ich dir geben kann«, sagte er.
Guido ließ es rahmen und hängte es über das Bücherregal – über die Kerzenständer, den Whiskey und die Graphic Novel Teleny.
Ich pickte mir eine Rosine heraus. Während die anderen schon schliefen, saß ich im Wohnzimmer und hatte die weiße Blechbüchse geöffnet. Sie stand mitten auf dem Schreibtisch.
Eduard war nach der Trennung von Vyvyan dauerhaft angespannt. Und das nicht wegen dessen möglicher Untreue, sondern als Resultat seiner Liebe. Seit er Vyvyan kannte, fiel es ihm schwer, länger als einen Tag von seinem Partner getrennt zu sein.
Das Geschenk einer Freundschaft, die im Herbst 2009 in Kaditzsch bei Grimma begann und bis heute, Juli 2026, dem jüngsten Atelierfest in Laudenau, andauert.
1
Der Bildhauer Friedrich Höfer, ein disziplinierter, formstrenger Mann, geboren 1940 in Jößnitz bei Plauen im Vogtland, ist im Herbst 2009 Stipendiat in der Denkmalschmiede. Er arbeitet draußen im Freien an einem großen Stein aus Granit, bei Wind und Wetter, Regen scheint ihm nichts anzuhaben. Er arbeitet weiter, hämmert, schleift. Rundungen kommen aus dem Stein, eine Form, die an etwas erinnert. Dabei seltsam abstrakt. Und gleichzeitig erotisch.
2
Ein Blick in Friedrichs Studio, eine Etage unter dem eigenen Raum, in dem ich an Texten sitze. Der Eindruck des Erotischen verstärkt sich. Ist es die Fülle weiblicher (?) Rundungen? In Stein, in Bronze, aus Ton. Auf Papier. Und doch sind es keine Aktbilder, keine einfachen Darstellungen weiblicher oder männlicher Körper. Allenfalls Andeutungen. Zeichenhaftes. Der Raum ist voller Grafiken in selbst gezimmerten Rahmen, man meint, einen Schoß zu erkennen, aus kalligraphisch wirkenden Linien, Strichen. Oder sind es doch nur eigene Assoziationen? Formen, die sich öffnen, zurückweichen, entziehen. Zarte und zarteste Oberflächen, als könne man so etwas Zartes und Verletzliches wie Haut in Granit darstellen. Man möchte mit der Hand darüberfahren, die Steine berühren, auch die Plastiken, gegossen aus Bronze, in verschiedenen Größen, doch kleiner als der Stein im Freien. Der Mann ist beinahe siebzig, drahtig, schlank und, wie es scheint, von einem markanten Gestaltungswillen. Auch ein Holzschnitt und eine Arbeit aus Glas sind unter den Exponaten, der Entwurf für ein Kirchenfenster, an dem er noch feilt. Dinge, die er von zu Hause, aus dem Odenwald, mitgebracht hat für die anschließende Ausstellung. Kein Tag vergeht, an dem ich nicht das Hämmern des Meißels im Freien höre, den Mann Friedrich an seinem Stein arbeiten sehe. Helle Schutzkleidung, die er während der Arbeit trägt. Versunken, tatkräftig, konzentriert. An den Abenden, beim gemeinsamen Essen, beginne ich, seine Gegenwart, die Gespräche mit ihm über Gott und die Welt zu schätzen. Er ist belesen, artikuliert angenehm. Worte sind ihm offenbar ebenso wichtig wie seine plastische Kunst. Seine Stimme, weich, modulierend.
Zwanzigjährig ist er 1960, vor dem Mauerbau, mit der kranken Mutter aus dem Vogtland von Berlin aus nach Westdeutschland gegangen, um nur zwei Wochen später in Frankfurt am Städelschen Kunstinstitut ein Studium aufzunehmen. Zwei Semester Probezeit, danach ein regulärer Student, der fortsetzt, was er in Dresden als Steinmetz begann. Eine Ausbildung als freier Künstler, Aktzeichnen, Vorlesungen in Kunstgeschichte, die tägliche Anwesenheit als einzige Pflicht, ansonsten ist der angehende Bildhauer sich selbst überlassen, entwickelt eine Formensprache, die ihn lange auszeichnet: filigrane, geschwungene Striche. Der Professor, in dessen Klasse er ist, macht sich respektvoll lustig über den Studenten, ja, so, die Zeichen immer weiter aneinanderreihend, könne er ewig weitermachen…
3
Er erzählt von Frankreich, der Bretagne, dem regelmäßigen Aufenthalt dort, von der Steilküste am Atlantik. In Kunstgeschichte bewandert, ist er gerne präzis, auch begrifflich. Eine Skulptur ist eine Skulptur, Material, von dem der Bildhauer etwas wegnimmt, keine Plastik. Wenn es im Englischen auch nur einen Begriff dafür geben mag. Bei der Plastik wird Material aufgebaut, modelliert, aus einem Stück Ton, aus Gips, was immer sich modellieren läßt. Sein eigenes Anliegen: durch Gestaltung in den öffentlichen Raum zu wirken.
4
Nah an der Natur, das könnte ein Motiv sein auch für sein eigenes Haus, das er am Rand eines Dorfs in den Hang gebaut hat. Großzügiges, helles Atelier und eher kleinteiliger, gemütlich anmutender Wohnraum gehen ineinander über. Beides hat er selbst entworfen, das Atelier von beeindruckender Höhe und die angrenzenden Wohnräume bis unters Dach. Ein Entwurf, der die Lage des Grundstücks, am Hang, in die Ausführung mit einbezieht, indem er die hinteren Wände des Hauses in den Hang selbst verlegt: dort das grüne Licht (oder Dunkel) der angrenzenden Erde, der aufsteigenden Bäume, vorn der weite Blick aus dem verglasten ersten Stock über die umliegenden Weiden, auf Waldrand, die hügelige Landschaft des Odenwalds. Gestaltungswille, der der Natur keine Gewalt antut, vielmehr versucht, sich in ihr zu verorten, als Mensch und als Künstler. Erdnah und wie zeitenthoben, mit eigener, innerer Zeit, die jedem Getriebe entgegengesetzt bleibt. Ein nun bald 86-jähriger Künstler, der die Musik liebt, auch die zeitgenössische Moderne, dabei ein geselliger Mensch, verheiratet mit einer Musiklehrerin, drei Kinder, eine der Töchter wiederum Musikerin, Violinistin.
5
Sein Gestaltungsanspruch reicht in die Landschaft hinein, doch er zerstört sie nicht, ändert nichts, respektiert die Natur, bettet seine Entwürfe, seine steingewordenen Ideen in sie ein. Skulpturen aus Granit oder Rochlitzer Porphyr wie Findlinge oder Visitenkarten, die man mit den Fingern entlangfahren und streicheln möchte.
Einmal im Jahr kommt zu den anderen Gästen auch der Musiker Volker Hemken aus Grimma nach Laudenau in den Odenwald. Solobaßklarinettist im Gewandhaus zu Leipzig, trägt er den musikalischen Teil zu den „Korrespondenzen“ genannten Atelierfesten im Werkraum bei, zeitgenössische Musik, von den Komponisten nicht selten ihm, Volker Hemken, gewidmet.
Laut Gottfried Benn dichtet moderne Dichtung nicht an Also bin ich kein Dichter
Laut Duden wird Gott mit Doppel-t geschrieben Also ist der englische falsch geschrieben
Laut Gesetz sollte jeder zu Versorgende Arbeit suchen Also gibt es Gesetzlose, Subjekte
Laut Auskunft des Wirtschaftsministeriums wird heizen teurer Also – nix also!
Laut Statistik sind Zahlen überdurchschnittlich intelligent Also werden sie häufig zitiert
Laut, laut ist es immer wieder Besonders abends
Auf der Plazza
?
„Einst war ich die Grenze, nun ist das alles zeitlos vergangen. Mit dem Werden der Erfahrung grenzt es bewusst ans Neue, hundertjähriger Lidschlag. Die Menschen und Dinge riechen nach Salz, nach Dung die“ (Anmelden / Abmelden)
Wie hasse ich die Bahn Gleichförmigen Sternenzugs. Willkommen, uralter Wahn – TurmesWie hasse ich die Bahn Gleichförmigen Sternenzugs. Willkommen, uralter Wahn – TurmesWie hasse ich die Bahn Turmes
Wie hasse ich die Bahn Gleichförmigen Sternenzugs. Willkommen, uralter Wahn – TurmesWie hasse ich die Bahn Gleichförmigen Sternenzugs. Willkommen, uralter Wahn – TurmesWie hasse ich die Bahn Turmes
Wie hasse ich die Bahn Gleichförmigen Sternenzugs. Willkommen, uralter Wahn – TurmesWie hasse ich die Bahn Gleichförmigen Sternenzugs. Willkommen, uralter Wahn – TurmesWie hasse ich die Bahn Turmes
Wie hasse ich die Bahn Gleichförmigen Sternenzugs. Willkommen, uralter Wahn – TurmesWie hasse ich die Bahn Gleichförmigen Sternenzugs. Willkommen, uralter Wahn – Turmes
Wie hasse ich die Bahn Gleichförmigen Sternenzugs. Willkommen, uralter Wahn – TurmesWie hasse ich die Bahn Gleichförmigen Sternenzugs. Willkommen, uralter Wahn – TurmesWie hasse ich die Bahn Turmes
Wie hasse ich die Bahn Gleichförmigen Sternenzugs. Willkommen, uralter Wahn – TurmesWie hasse ich die Bahn Gleichförmigen Sternenzugs. Willkommen, uralter Wahn – TurmesWie hasse ich die Bahn Turmes
Wie hasse ich die Bahn Gleichförmigen Sternenzugs. Willkommen, uralter Wahn – TurmesWie hasse ich die Bahn Gleichförmigen Sternenzugs. Willkommen, uralter Wahn – TurmesWie hasse ich die Bahn Turmes
Zum Glück hat Brandenburg ein paar herrenlose Herrenhäuser und Schlösser (preußischer Kulturbesitz) mit läppischer Park- Wildnis ringsum : sonst würden wir Alternde Seenfahrer : keine Stelle Zum Anlanden finden : Privatstege Aneinandergereiht : Maschendrahtzaun Durch Brennesseldickicht gezogen
„Betreten verboten“ grüßt überall : herzlich Willkommen : das Parkgelände bietet Raum für Wasserwanderer und andere Aussterbende Arten : im übrigen Unterscheidet sich Caputh nicht Von Golm oder Werder oder Sacrow Der Stegegoismus reicht bis Berlin Mitte : in schöner Vollendung : die Ordnung
Ist flöten gegangen : auch Preußen Verschwand : nicht mal drei Jahre Hat der Möchtegernstaat Albert Einstein Die Caputher Sommerfrische gegönnt Nach der Blamage : die Stadt Berlin Vertreten durch Bürgermeister Bless Wollte dem Physiker ein Häuschen am See Übereignen für sein geliebtes Segelboot
Nur waren alle Häuser schon besetzt Und mit Privatsteg versehen : betreten Verboten etc. : das Lied kennen wir schon (Ist es die brandenburgische Nationalhymne?) Einstein lehnte dankend ab : eine andere Familie aus ihrem Haus zu schmeißen : damit Er seinen Zugang zum See erhielt : Herr Bless War blessiert : die Zeitungen machten sich
Lustig : denn Einstein kaufte sich selbst Sein Quartier : Caputh klingt viel besser Als Berlin : damals versprach es Ruhe Und Waldluft : der Schwielowsee lud Zum Segeln ein : ohne Algen und Motorlärm Der Friede währte nicht lange : Machtergreifung Flucht und Enteignung : zwei Jahre später zogen
Die Youngsters von HJ und BDM ein : lagerten
Zwischen den verwaisten Bücherregalen Im Arbeitsszimmer : wer braucht denn Gekrümmte Räume und verlangsamte Zeit Jetzt war Deutsche Physik angesagt Ganz im Sinne von Newton und Euklid Ihr Scherzkekse : außer Krieg nichts im Sinn Hattet ihr : und die Gemeinde Caputh Bekam Einsteins Häuschen geschenkt
Ohne irgendeine Idee wozu und wofür Denn ein Museum durfte es nicht werden : das hatte Der Meister persönlich verfügt : es gab schon genug Personenkult seiner Zeit : die herausgestreckte Zunge auf Postern und Ansteckern mußte Genügen : also machte Caputh Einsteins Häuschen Einfach kaputt oder ließ es verfallen : zum Glück Erbarmte sich die Akademie der Wissenschaften der DDR
(Auch eine Spielart Deutscher Wissenschaft Im Zeichen der Internationale) des Grundstücks Ließ es 1979 zum Hundertsten renovieren Und gäbe es das Holzhäuschen nicht : Caputh hätte Gar nichts : außer den Stegen am See Privat : also JEDER hat SEINEN : wie ist das Meinte Einstein : es gebe nur zwei Dinge : die unendlich sind : das Universum
Und die menschliche Dummheit : ach Beim Universum sei er sich unsicher
Hatte beim Frühstück einen furchtbaren Streit mit Elou, und dann musste ich es ihm endlich sagen. Seit drei Wochen schleppe ich es jetzt mit mir herum, und schon der Gedanke an seine Reaktion löste Magenbeschwerden bei mir aus. »Warum isst du kaum etwas, schmeckt es dir nicht«, den Satz hörte ich fast jeden Tag, wenn er zu Abend gekocht hatte. »Ist es wegen neulich, wegen Frau Schlimm und dem Geschenk von Carl und Guido«, fragte er mehrmals. Ich hatte einen so dicken Kloß im Hals, dass ich nur den Kopf schütteln konnte. »Du hast was, sag es mir doch, bitte«, flehte er und nahm von allen Speisen mehrmals, lobte die mediterrane Küche und die eiweißreiche Nahrung, um dann umzuschalten auf »warum bist du so still«. Zweimal hatte ich mich übergeben, zweimal. Schließlich machte er sich ernsthaft Sorgen und schickte mich zu Dr. Timothy: Aidstest, gastroenterologische Untersuchungen, alles ganz diskret, und ich Idiot ließ Elou auch noch die Rechnung bezahlen – obwohl ich genau wusste, dass es nur meine – mein längst geplanter Wegzug nach Dresden war, den ich ihm verschwieg.
Und Meli feuerte mich noch an, sags ihm endlich, du machst dich und ihn fertig, wenn dus nicht tust, und dann die Wut auf sie und auf Paul und die ganze Familie, ihr seid an allem Schuld und dann der Schlag in die noch tiefere Region, lass das bloß nicht Albert hören, er gibt dir das Geld.
Albert. Unser Onkel. Dessen Sohn mich unfreiwillig – entjungfert hat. Mir war schon wieder so schlecht, dass ich nicht wusste, ob ich nicht lieber im Bad bleiben sollte.
Elou fummelte draußen an seinem Fahrrad herum, pfiff dabei und merkte nichts.
Der Sonnige.
Am Samstag das Treffen mit den anderen. Sie holten die ganze Geschichte zwischen Al und mir wieder hoch. Wir waren bei Lemmons, wo ich schon wieder kotzen musste.
Und dann Sonntag: Elou hatte Brötchen besorgt. Vom allerbesten Bäcker. Weil mein Magen leer war, hatte ich plötzlich ungewöhnlichen Appetit. Mir war alles egal. Elou machte wieder alles richtig und ich nichts. Er legte John Coltrane auf, dann Sade und schließlich Schuberts Winterreise. Warum ist er eigentlich nicht DJ geworden. Er sprach ununterbrochen von den maßgeblichen Errungenschaften der Community, und dass eine Petition eingebracht worden sei, in der es um die gleichgeschlechtliche Ehe ging. Er redete und redete. Und obwohl ich alles teile, was er sagt, brannte bei mir eine Sicherung durch: Er schwärmte von den Gay Days, die bald wieder losgingen, und bei denen er und Al sich stark einbrachten. Selbst der Lehrstuhl für Art History, an dem er angestellt ist, wurde angeschrieben. Hartnäckig wie er ist, hat Elou da nicht locker gelassen.
Und dann sagte ich diesen Satz: Ich hab genug von deinen Gay Days.
Danach gab ein Wort das andere. Ich sei egoistisch, ohne Maß, sagte er, und dass ich mich doch gerne für unsere Freunde auszöge. Es war grotesk. Es stimmte alles halb. Die andere Seite würde sagen, du wurdest ausgezogen. Wie ich mich manchmal fühlte, wenn sie mich ansahen. Dieser Druck, dieser Sog, bei dem Widerstand zwecklos war. Wie eine Melodie von Philip Glass, endlose Variationen. Und ich schämte mich, wenn sie meine Erregung sahen, ein Gewächs aus Lust und Scham, das wollte ich nicht oder nur manchmal, bei manchen, Elou, du weißt bei wem, du weißt es ganz genau. Er hat mich den anderen gezeigt. Zu Al, am Telefon: »ich weiß nicht, ob ich ihn zeigen soll. Ob ich ihnen Vyvyan zeigen soll.« Zeigen, nicht vorstellen.
Es gibt im Leben Ereignisse, da würde jeder sagen, bitte, dasselbe nochmal. Sie hatten im Hinterzimmer gewartet. Ich konnte nicht wissen, dass sie im Schlepptau mitkamen, sie waren noch nicht sichtbar. Die Wohnung, damals im Sommer ’87, hatte an der Garderobe keinen Sommermantel von #83, dafür aber empfing sie mich mit dunkelbraunem Linoleum, geschnitzten Masken an den Wänden, gepressten Holzschnitten, eleganten Tänzerinnen auf schwarzweiß Fotografien und mit der Muse selbst. Die Muse hatte, wie gesagt, die zwei Herren im Schlepptau, klar wie Martini und Eiswürfel.
Es war ein schlechter Sommer. Ich war ein Mädchen und freundlich. Regen, Kühle und windige Schleicher wechselten im Sekundentakt. Da brauchten wir gar keine Gürkchen aufs Büffet zu legen.
Mit vollem Mund redete Vyvyan weiter. »Ich bin doch nur dein Legostein. Ein Legostein, der so schön in dein … offenes Haus passt. Weil man ihn schon von weitem leuchten sieht.«
Eduard spürte, wie eine eiskalte Welle ihn überspülte und auf seine Gedärme schlug. »Weißt du was du bist, Vyvyan«, sagte er, in seine Schallplattensammlung hinein: »Was du wirklich bist? Du bist ein… ein maßloser Egoist.«
Er hörte, wie Vyvyan den Stuhl zur Seite schob und seine Beine darauf legte. Immer machte er das, während des Essens, während der Soirees mit den – anderen Männern … immer machte er das – so.
»Ein – Egoist?« Vyvyans Stimme nahm wieder diesen Operettenton an: »Egoist … passt doch perfekt zu der Vorstellung, die sich alle hier von mir gemacht haben. Passt doch perfekt zu dem, was sie wollen. Für ihre … um dein Wort zu gebrauchen: maßlosen Fantasien.«
Eduards Herz pumpte. »Du hast dich doch … gern für sie entkleidet. Du hast es genossen, sie zappeln zu lassen. Du hast es genossen, wenn sie schon ganz … aus dem Häuschen waren. Und immer, immer hast du entschieden … du … hast entschieden, wer dich wie … lieben durfte.«
Der Pinguin war einer, der ganz zum Schluss erst dazu kam.
Sie trafen sich in der Cafeteria. Eine dunkle Brille bedeckte Melisandes Augen, während die Sonne mäßig schien. Sie nahm Erdbeerkuchen, Esther holte sich einen Salat.
„Was ist eigentlich mit … Alan“, fragte Esther.
Der Salat war grün.
„Al? Der lebt in London und pflegt seine Mutter. Und er hat Vyvyan den schrecklichen Artikel geschickt.“
„Den aus der Times?“
Melisandes Lippen: rot. Lilienrot vom spitzen Stift, den Esther ihr gab.
„Ja. Den hat einer geschrieben, der Vyvy nicht leiden konnte. Al hat einen Prozess gegen ihn laufen. Der kommt ihn gerade richtig teuer. Und dann hat er sich … vom Pinguin scheiden lassen.“
„Pinguin?“
„Das war einer … der ziemlich zum Schluss erst dazukam. Al verliebte sich Hals über Kopf in ihn. Und es wurde für Eduard so richtig traurig. Plötzlich waren sie nämlich zu viert, und das … ging nicht gut. Warum, erzähle ich dir ein andermal. Zu Beginn hatten sie ein erfülltes Liebesleben… Jedenfalls war oder ist der Pinguin einer der Gründe, warum Eduard und Vyvyan endgültig nach Dresden kamen.“
„Und Vyvyan? Was hielt er vom Pinguin?“
„Ach, du kennst doch meinen Bruder. Der ist immer schnell von schrägen Vögeln beeindruckt.“
Ein Kuss. Ein Kuss, lilienrot. Gibt es rote Lilien? Melisande holte die Times hervor. Der Verriss, dessen Original im Kamin landete, nachdem Vyvyan ihn gelesen hatte. Die Erdbeere wechselte von Mund zu Mund. „Wenn es nicht so traurig für ihn wäre, würde ich ….“
Melisande reichte Esther das Blatt. Ein Lächeln stand auf ihrem Gesicht.
Frackträger sind hier, um profoziert zu werden. Von seiner Präsenz, seinem Körper, leichtfertig und ausgestellt. Fassaden sind Arabesken. Karusselle und Kunstwerke. Bourgeois – so antiquiert, so mean, so 21. Jahrhundert – und das ist kein Kompliment.
Karusselle und Kunstwerke.
Wer weiß, was hier noch alles ist, an das ich schon gar nicht mehr denke. Nur sein Geruch erinnert daran, dass es noch da ist.
Ein vergammelter Apfel? Ein Unfall im Papierkorb? Ich weiß es nicht. Vielleicht habe ich mir auch nur die Hände irgendworan abgewischt.
Schrecklicher! – Lässt Tropfen fallen und lauscht, ___ Ob in der Welt allein er Knickt einen Zweig im Fenster, wie Spitzengewirk, ___ Oder ob da ein Zeuge sei.
Doch quält hellsichtig sich unterm ganzen Gewicht ___ Der Ausflüsse – rotzige Erde, Und vernehmbar: weithin, wie im August, ___ Es Mitternacht in den Feldern werde.
Kein Laut. Und Zuschauer nicht. ___ Sich ganz seiner Leere sicher, Macht ran er sich ans Alte – lässt fallen sich ___ Aufs Dach, an Schindeln, dazwischen.
Benetze mir die Lippen und höre mich ein, ___ Ob in der Welt allein ich, – Für ein Schluchzen bereit bei Gelegenheit, – ___ Oder ist da ein Zeuge.
Doch Stille. Und kein Blättchen schabt. ___ Kein Anzeichen Nebels, außer grausigem Wischen Einer Schluckreizwelle und des Gischtklangs in Schlappen ___ Und von Seufzern und Tränen dazwischen.