Ode an den Stabmixer

„Halt Still,

meine Tulpe“,

lass mich dich welken sehen.

Ich will mit dir untergehen./

„Tu, was ich will,

meine Tulpe“,

sagte man dir,

du duftest,

auch wenn du dorrst./

„Schrei nicht so schrill,

meine Tulpe“,

sagte man dir,

„ich reiß an deiner Blüte,

du gehörst auf den Müll!“/

So viel Gefühl,

meine Tulpe,

steckt noch in dir.

Wach auf meine Tulpe,

du sahst wie ich fiel./

Und ich stolperte dir ins Herz.

Oval Office

Und der Wanderer trat an das Ufer und hob an. Er sprach wie folgt die Sätze, die den Sturz des Drachen besiegelten:

„Gehörnte Ratte, nimmermehr wirst du es zu Etwas bringen. Böses durch-und-durch, nicht an-und-für-sich zwar, denn ein Böses kann nie Grund aus einem Ursprung sein, der gut bezeugt. Frohlocket ihr, die da kommen möget, denn gefallen ist das Ungetüm, dass die Schätze des Himmels, die für die Schwachen bestimmt waren, auf die Erden holte und sie in das Ohr der Reichen flüsterte. Gefallen ist das Tosen, das die Meere erfasste und Berghänge schleifte. Bezwungen ist der Anschein, denn ein jeder wird dich an deiner Übelkeit erkannt haben werden.“ Und er nahm ein Stück Kreide und rahmte das Überbleibsel mit dem Stern der Erlösung, wie ihm der Friedefürst geheißen, obwohl sich nun mancher fragen mag, wie denn das Böse rechtmäßig vom Gefühl der Sorglosigkeit erfasst werden sollte. Nicht zu Recht wird es kommen und schon gar nicht zu Wort. Nein, gebannt haben wird man es. Sichtbar mahnend, denn die Wunde, die es in den Kosmos riss, brennt lichterloh. Wer vermag es sie zu löschen, den finde im Himmel oder auf der Erde? Die Kleinsten, denen durch das Böse das Leiden aufgezwungen, sind es, die die Flammen der Höllenglut zu bewässern trachten. Doch steckt nicht im Versuch die Versuchung der Tatsache zu erliegen, sich auf Zeit zu überfordern? Fürwahr, das Böse mag kein Ende kennen. Geschieden sei es vom Guten, das zu einem Abschluss in der Heiligung kommt. Das Ufer markiert eine Grenze von der einen Welt zur Anderen, wohl wie es mein Bannkreis hier tut. Aber es wäre ein leichtes das Böse in eine andere Zeit oder in einen anderen Raum Jenseits unserer Vorstellungskraft zu versetzen. Und da es sich selbst zur Schau stellt und doch im Verborgenen plant, muss es hier den Moment mit mir ausharren, bis ich es entlasse. Es ist nicht scheu. Es vermeidet den Blick von Angesicht zu Angesicht nicht. Es will nicht anders als gesehen zu werden. Aber es schaut nie von allein auf das Selbst hin; lediglich auf Etwas. Das Verlangen könnte einer seiner Antriebe sein. Im Trachten nach dem Trotz manifestiert es sich womöglich. Doch auch der Trotz ist Scheideweg an der Gemarkung zum Selbstwerden. Es muss doch Flächen geben, die nicht nur das Selbst spiegeln. So vielleicht in der Heiligung, der ich dem Schauen des Anderen ausgesetzt bin, nicht aber seinem Denken, welches ein Böses kundtun würde. Das Heilige an-und-für-sich bildet sich in der Heiligung nicht, denn diese erwirkt wohl einen Zweck. Der Zweck heiligt die Mittel, heißt es aus so mancher Zunge. So strebt denn alles Heilige einem Ziel entgegen? Sind der guten Mächte und Gewalten ein Denken ohne Bewusstsein zugrundeliegend, so handelt es sich, in ihrer Umkehrung der Gestalten, wohl mit den Bösen um ein Bewusstsein ohne Denken? Ohne Sinn und Verstand. Aber zur Bannung dessen betrachten wir die Zwecke und Mittel etwas genauer, um zur reiferen Erkenntnis über das Heilige zu gelangen.

Der Heiligung steht eine Auswahl an Mitteln zu Verfügung, die in ihrer Gesamtheit sie selbst zum Zweck haben. In dieser Umdrehung ergeben sich rein äußerliche Gestalten. Zur inneren Gestalt vorgedrungen, stellt sich das Geheiligte in den Vordergrund. „Hört das traktieren denn nie auf!“, äffte das Ungeheuer im Bannkreis meinen Tonfall nach. „Schweig, du Unkraut. Du bist Abfall.“ „Ein müder Geist lässt sich so leicht reizen“, säuselte es. „Ich bin nicht deinetwegen hier, denn es vermag nur eine unsichtbare Gestalt dich zur Bewegung zu zwingen.“ „Auch hier stößt du wohl an die Grenze des Aushaltbaren. Schöne Reden schwinge auch ich.“ „Wage es nicht.“ „Wer soll schon zusehen; der liebe Gott?“ „Ich ziehe den Kreis nun enger.“ Zwar fauchte das Drachentier im Kreidekäfig laut auf, doch durch ein paar Vorkehrungen war es mir möglich den zweiten Schutzring sauber zu formen. Nun…Es ist wohl im Sinne der inneren Gestalt, von der Heiligung um des Geheiligten wegen abzusehen und sich der Qualität des Heils anzunähern. „Das für dich natürlich bestimmt ist.“ „Vergifte mich nicht.“ Das Heil ist in seiner Bestimmtheit maßgeblich durch den Zweck gesetzt, den es zuvor erzeugt hat. Nicht übersehen werden darf aber das Vermögen es herbeizuführen. „Auch ich kann mir Heil zusprechen.“, zischte das Böse. „Zusprechen lassen.“ Das Heil verlangt das Heilsame. Nicht das Unausweichliche oder Zögernde. Deshalb verlangt es Mittel, die es fassen, um Maß zu halten, damit seine fragile Gestalt nicht ausbricht und in schrankenloser Weise die Scheidung verdirbt, die den Menschen über das Böse erhebt. „Wir sind beide unsereiner schöne Kerkermeister.“ „Ich kann warten…und es vergnügt mich deinen Verfall anzusehen.“

„Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.“,

flüsterte ich. Der Drache lachte nur laut und donnerte gleichauf mit offenem Maul gegen die Wand zwischen uns beiden.

Nur einen Fehltritt entfernt das aufeinandergeschichtete Weiß zu verwischen. „Du willst also alles über die Geheimnisse wissen, die durch dein faules Gebet nicht an die Mauern des Himmels dringen?“ „Ich will nicht wissen. Glauben, gesetzt jemand überzeuge mich davon, dass dem nicht so ist, entspräche meinem Stand besser.“, warf ich ihm entgegen. „Störe ich dich bei deinem Vorhaben. Bin ich nicht leibhaftiger?“ „Erkennst du auch das Antlitz des Menschen an? Oder trieft aus deinen Augen die Galle deines Neides über unsere Vorzüglichkeit? Hat dein Schöpfer dich ohne Gestalt aus dem Himmel geworfen, um unter uns zu wandeln? Wüste bist du, die durch ein dünnes Nadelöhr sickert.“ „Und ihr meint den Rahmen vorzugeben? Höchst zynisch!“, antwortete mir das Ungetüm glucksend. „Deine Zeit ist abgelaufen und du wirst dich verantworten müssen, der du dich in die Kleider der Großmutter wirfst!“ „Was ist mir denn vorzuwerfen, war es doch stets zu deinem Besten? Ohne mich stehst du allein da. Wer soll dir zur Hilfe kommen? Wer dein Leben finanzieren, wenn es nicht bald Öl vom Himmel regnet?“ „Schweig. Du hast keine Macht. Weder über meinen Geist, noch über meinen Körper! Lass deinen Griff von mir. Mit der Kraft der Weisung in meiner Hand bist du fortan gebannt. Nimmermehr wirst du einer wunden Seele Gewalt antun. Nimmermehr wirst du deine Einsamkeit an mir auskosten. Und nie wieder wird sich deine Hand um mein Geschlecht legen. Niemals sollst du wieder mit der Schwere deines Leibes die Luft aus meiner Lunge drücken. Ich bin stark und unabhängig und ich brauche dich nicht. Du brauchst nur dich selbst und die anderen, um dich in die Höhe zu schwingen. Du stehst auf den Trümmern ihrer Existenzen und tanzt auf ihren gebrochenen Körpern. Du suchtest bei ihnen, was du selbst an dir vermisst. Ein Gewissen. Fort mit dir in die Unterwelt, auf dass sie für immer versiegelt werde.“

Ich weiß … was gefällt.

Vyvyan: Ich war heute bei Kneifer’s…
Eduard: Bei Kneifer’s? Was gabs denn da?
Vyvyan: So einiges … im Angebot.
Eduard: Hast du mir was mitgebracht?
Vyvyan: Von Kneifer’s? Nee, ich war noch … woanders.
Eduard: Wo denn? Erzähl es mir. Bitte …
Vyvyan: Beim „Schwarm“, vom letzten Mal.
Eduard: Vom … letzten Mal? Aber doch nicht … den gleichen … noch Mal?
Vyvyan (verschämt): Nein. Einen … Besseren. Und ich habe dir auch einen mitgebracht.
Eduard (erwartungsvoll): Vyvyan – ich bin ganz aus dem Häuschen? Warum das auf einmal?
Vyvyan: Weil ich … weiß, was dir … gefällt.

A.

Am Abend tönen die herbstlichen Wälder (Georg Trakl)

Kains Truppe zieht sich die Schilde bis über die Kinnlade
Gottes Zeichen unter den Helmen verborgen
Sie dienen sich selbst ihre Treue an

Auf dem Erdbeerfeld eine Freizeitarmee von Eltern
– – –
Mit der übernächsten elektronischen Generation definieren wir
Die Division eines Moments durch einen anderen
:
In der Raumzeit sind’s der Koordinaten vier
Und könnten doch acht der Koordinaten vier
Ach Die ungebornen Enkel

* * * *
… in Frieden!

* * *
* *

*

und werde

Mit zweiundzwanzig hatte ich erstmals in den Abgrund geschaut, und mir schwindelte angesichts der Behauptung, Sein und Nichts seien ein und dasselbe. * Nun, mit achtundfünfzig, ist mir ein Blick geworden, der sich seines Schauens erinnert, seiner Voraussetzungen, der Festigkeit des Staubs sowohl wie der Hitze, in der er verbrennt.

** Die Kohle geht zur Neige:- oder ist es eher die Atemluft, die knapp wird?!

* Die Differenziale erzitterten in ihrer ganzen, großen und bloßen Verankerung. Die Zahlen begannen sich zu ekeln. Gefühl folgte auf Gewühl, Winter- auf Sommerschlussverkauf.

– – – – –

Dinge traten ein in ihre Verwandlung. Wurden wiedergeboren. Menschen traten hinzu.


Einst war ich die Grenze, nun ist das alles zeitlos vergangen. Mit dem Werden der Erfahrung grenzt es bewusst ans Neue, hundertjähriger Lidschlag. Die Menschen und Dinge riechen nach Salz, nach Dung die Pflanzen und Tiere. Mit dem Zwinkern verliert sich, was mensch nicht haben kann, es sei denn, dass es sei

Ein Goodie

Ein Kleidungsstück beschreiben, das man nicht versteht. Wird es verkehrt herum getragen, einfach nur: mit der falschen Seite nach oben, hat es eine andere Bedeutung. Naiv, sagen die Eingeweihten. Man trägt es so – in manchen Situationen. Es ist dafür bestimmt. Kann man doch kaufen.

Es war nicht der Fisch

Eduard: „Ich wollte dich beeindrucken.“
Vyvyan: „Das ist dir gelungen.“
Eduard: „Mit dem Essen?“
Vyvyan: „Mit dem … Versuch.“

alltag

sie fehlen im winter, die stubenfliegen & darum ist er abweisend, weil mir diese tiere fehlen, die die haut beleben, wenn sie über den unterarm spazieren, wenn sie kitzeln oder sie setzen sich aufs gesicht, so wie katzen & hunde auf den bauch springen.

Alltag, 2

Vyvyan stach ein Stück vom Lachs ab. Das Fleisch gab nach, rosig, fast widerstandslos. Er führte die Gabel zum Mund, kaute, ließ sich Zeit.
Eduard legte ihm die Hand auf den Unterarm.

»Nun, Viv?« fragte er. »Wie ist er?«

Vyvyan schluckte. Ein kurzes Zögern. Dann ein Lächeln.
»Nun ja«, sagte er, »Er gibt sich Mühe.«

Zinseszins

„Der Zinseszins ist das achte Weltwunder. Wer ihn versteht, verdient daran, alle anderen bezahlen ihn!“ (Albert Einstein oder sein Schatten)

Einst von Benjamin, Foucault und Luhmann geprägte Sinnsucher, nach erfolgter Familiengründung im reifen Professorenalter konservativ gewendete Denker wie Norbert Bolz unterscheiden nicht zwischen Kapitalismus und Marktwirtschaft. Ich unterstelle, für sie ist beides dasselbe. „Ich glaube an den Kapitalismus“, bekannte Bolz in einem Interview am Sonntag. Vielleicht meinte er ja die Marktwirtschaft. Marktwirtschaft und Kapitalismus – ökonomisch kann es kaum einen größeren Gegensatz geben.

Kapitalismus ist der Verhinderer von Marktwirtschaft, Marktwirtschaft bringt – wenn keine Vorkehrungen getroffen werden – Kapitalismus hervor. Insofern bilden sie einen kontinuierlichen Übergang und einen Antagonismus zugleich. Marktwirtschaft: das ist das Spielfeld der Talente, mit pragmatischer Intelligenz (Bauernschläue, Unternehmergeist) die Bedürfnisse der Menschen aufzuspüren und zu stillen. Solange auf dem Markt Konkurrenz stattfindet, lebt der Markt, bringt Innovation hervor, befruchtet. Mit der Dominanz des Kapitals verliert der Markt sein kreatives Potential: Geld wird eingesetzt, um die Wirkkraft von Ideen auszubremsen, um Pfründe und Anteile zu sichern, Neues zu unterdrücken, Mitbewerber zu verdrängen, noch bevor sie auf dem Spielfeld angekommen sind. Der Markt ist unfrei geworden.

Unter kapitalistischen Bedingungen hat der Erfinder nur eine Chance, sich auf dem unfreien Markt zu behaupten: Er muß der Dynamik des Zinseszins zuvorkommen. Was hat es damit auf sich? Bis zur sogenannten Renaissance war der Zinseszins geächtet, wurde er nicht realisiert. Darüber wachten die Religionen. Im Islam gilt er bis heute als unzulässig. Eine Bank, die Halal ist, erhebt keinen Zinseszins. Denn der Zinseszins ist die Anwendung einer Potenzfunktion auf sich selbst, eine Rekursion. Bei kleinen Schuldbeträgen mag der Effekt anfangs zu vernachlässigen sein. Der Zinseszins bewirkt mit mathematischer Konsequenz das exponentielle Wachstum der Schulden. Exponentiell bedeutet: in der Anfangszeit wachsen die Zinsen scheinbar linear mit der verschuldeten Zeit, doch dann kommt der Punkt, an dem die Kurve steil ins Unendliche ansteigt. Von diesem Zeitpunkt an, können auch kleinste Schuldbeträge zu einer massiven Schuld­ver­sklavung führen.

Nehmen wir an, ein findiger Kopf aus mittellosem Haus, entdeckt die physikalische Möglichkeit, mit Hilfe eines dünnen Drahtes elektrischen Strom in Licht zu verwandeln. Damit sich die Erfindung der Glühbirne die Haushaltskerze verdrängt, muß der mittellose Erfinder bei der Vermarktung seiner Erfindung vor allem eins sein: schnell. Nimmt er einen Kredit auf, um Glasbläser und Drahtzieher zu beschäftigen, um eine Produktionslinie aufzubauen, stellt er Werbetrommler an, um die neuartig glühenden Glaskolben unters Volk zu bringen und kümmert er sich zudem noch um das Verlegen von Oberleitungen, damit die Haushalte mit Strom versorgt sind – so muß er mit all diesen technischen und industriellen Aufwendungen in der Gewinnzone sein, bevor der Zinseszins zuschlägt und dazu führt, daß all der per Innovation erwirtschaftete Profit in das Eigentum des Kreditgebers übergeht.

Edison hat diesen Wettlauf, wie wir wissen, gewonnen, er hatte neben dem Erfindergeist das erforderliche wirtschaftliche Gespür. Doch die Regel ist das nicht. In der Regel finanzieren die Reichen die Innovation und speisen den Erfinder mit einem Festgehalt oder einer Einmalzahlung ab. Ob die Erfindung tatsächlich verwertet oder unterdrückt und zurückgehalten wird, um das bestehende Marktgefüge nicht zu stören, sei dahingestellt. An dieser Stelle erkennen wir den konservativen, Innovation unterbindenden Charakter des Kapitalismus, wenn er den Markt dominiert und den Wettbewerb fesselt.

Es geht hier nicht psychologisch um Mitleid mit dem armen Erfinder. Es geht um die strukturellen und gesellschaftlichen Folgen, die der Einfluß des Kapitals auf den Markt ausübt:

  1. Beschleunigung: Solange Konkurrenz Raum hat, führt der Zinseszins zur Beschleunigung aller technisch innovativen und wirtschaftlichen Prozesse.  Nicht die sachlich angemessenste Erfindung setzt sich durch auf dem Markt, sondern jene, die sich am schnellsten amortisiert. Als Beispiel solch qualitativ minderwertiger Schnelldreher seien hier nur IBM und Microsoft genannt.
  1. Unterdrückung und Unfreiheit: Verliert die Innovation den Wettlauf gegen die Zinseszins-Regel der Kreditgeber, wird das Kapital gefüttert und sonst nichts. Sobald das Kapital den Markt dominiert, indem es Innovationen plant, regelt und vorfinanziert, um angestammte Reviere und bereits erworbene Anteile zu schützen, beginnt das Kapital, sich mafiotisch zu organisieren und spontane Innovation zu unterdrücken, z.B. indem es sie aufkauft, ohne sie zu verwerten.
  1. Heiligung des Eigentums und der Erbschaft: Damit Kapital akkumuliert werden kann, muß es über Generationen, Zeitenbrüche, Kriege und Revolutionen erhalten bleiben – das Recht auf Eigentum zählt als „Grundrecht“, doch nur wenn es sich um Eigentum der Besitzenden handelt. Persönliches Eigentum der (nahezu) Besitzlosen kann nach Belieben enteignet, entwertet und überschrieben werden. Bemerkenswert ist an dieser Stelle die allgemein verkannte revolutionäre Rolle der katholischen Kirche: Indem sie im 11. Jahrhundert das allgemeine Zölibat einsetzte, erhöhte sie damit praktisch die Erbschaftssteuer auf 100%. Sämtliches persönlich gehortetes Eigentum der Priester und seiner unehelichen Kinder fiel mit seinem Ableben wieder der Kirche in den Schoß. Von einer derartigen Radikalität in Eigentumsfragen konnten die Kommunisten nur träumen.
  1. Staatsmonopolistischer Kapitalismus: Wenn die kleinen Fische immer kleiner werden, verliert der Hai die Lust an der Jagd. Wenn sich die Übernahme einzelner Konkurrenten für die un­widerruflich Besitzenden nicht mehr lohnt, erobert das Kapital den Staat, um mit dem Schleppnetz auch noch den kleinsten Fisch vom Meeresgrund einzufangen – auf die Gefahr hin, daß die Meere aussterben. Der Staat hört auf, Diener des Volkes zu sein, und wird zum Schlepp­netz der Trawler und Megalomanen. Niemand darf ihm entkommen. Die bürger­lichen Freiheiten und die Freiheit des Marktes sind passé.

An diesem Punkt befinden wir uns. Wieder. Und daher ist die Rede vom „Großen Zurücksetzen“ gerechtfertigt. Mehr als das. Es ist der einzige Ausweg aus der ständigen Pendelbewegung zwischen Marktwirtschaft und Kapitalismus. Aber nicht im perversen Sinne des Transhumanismus à la Klaus Schwab und Weltwirtschaftsforum. Great Reset kann nur bedeuten, die grundlegende Regel zu ändern, nach der die freie Marktwirtschaft zur Dominanz des Kapitals übergeht: die Abschaffung des Zinseszins. Weltweit. Per Dekret. Auf einen Schlag.

Diese friedliche Bezähmung und Begrenzung des Kapitals gibt der Marktwirtschaft die Chance, auf Dauer frei und innovativ zu bleiben. Gibt der Demokratie die Chance, auf Dauer ohne Despoten und diktatorische Allüren zu bleiben. Gibt der Menschlichkeit die Chance, menschlich zu bleiben und sich in armseliger Muße dem Unnützsein zu widmen. Gibt der Natur die Chance, sich von der Ausbeutung durch den Menschen zu erholen.

Die Idee zur Abschaffung des Zinseszins‘ ist nicht neu. Bereits Rudolf Steiner schlug vor, ein Verfallsdatum auf Geldscheine aufzustempeln. Ist es überschritten, verliert der Schein seinen zugeschriebenen Wert. Was ist die Folge? Es lohnt sich nicht mehr, Geld zu horten. Wer viel hat, sollte es schnell in Umlauf bringen – sonst könnte es morgen schon wertlos sein. Geld dient als Tauschmittel, nicht als Endzweck. Als Silvio Gesell Finanzkommissar der Münchner Räterepublik wurde, schickte er sich an, Steiners Ideen in die Bankgesetze zu übernehmen, damit die Geld­scheine nicht auf ermüdende Weise abgestempelt werden müsse. Es war die Idee des Negativzins. Wer sein Geld hortet, zahlt dafür eine Aufbewahrungsgebühr. Als Gesell in einem Brief an Lenin diese bahnbrechende Idee mit­teilte, hatte Lenin nur ein müdes Lächeln für sie übrig. Den Rest erledigten die bewaffneten Freikorps.

Wenn wir den Zinseszins ächten und abschaffen – was sind die Folgen?

  1. Das Wirtschaften wird langsamer. Nicht alle Produkte, die wir glauben, jetzt zu benötigen, sind sofort zuhanden. Wir müssen lernen zu warten, uns zu gedulden, die Zeit zu genießen.
  2. Der Komfort wird schwinden, wir müssen wieder improvisieren. Langlebige Produkte lohnen sich wieder, Produkte mit eingebauter Halbwertzeit werden vom Markt ver­schwin­den.
  3. Die Dominanz des Kapitals beginnt zu bröckeln, ohne daß es formeller Enteignungen bedarf.
  4. Die Wirtschaft orientiert sich zunehmend an den Bedürfnissen der Menschen, statt die Be­dürf­nisse der Menschen künstlich zu erzeugen, damit sie den Interessen der Wirtschaft ge­nü­gen.
  5. Der Staat läuft weniger in Gefahr, von Kapitalbesitzern gekapert oder gekauft zu werden.      

Die entschleunigte, zinseszinslose Gesellschaft ist alles andere als perfekt. Nach heutigen Maßstäben ist sie nicht einmal bequem. Sie bietet Raum für Individualität und spielerischen Erfindergeist, vor allem aber Stabilität, indem sie einzelne Akteure nicht mit der finanziellen Machtpotenz ausstattet, die Gesamtheit der Gesellschaft von einer Krise in die nächste zu stürzen.

. *

An ANNA, na?!
____Vermächtnis N.G.

.

Ach, die kleinen Schweinchen

sie werden umfallen

in Gottes großem Wind

*

Der Tag, an dem John Lennon starb

Die Nachricht gelangte noch zum Abschluss des Frühstücks dem Dreizehnjährigen zu Bewusstsein. Es war der achte Dezember, Überraschung und Betroffenheit. In der S-Bahn im Gespräch mit einem Mädchen, das die gleiche Klasse besuchte und den gleichen Schulweg hatte, stellte sich die synchronisierende Kraft der von beiden gehörten Nachrichtenquelle heraus. Geteilte Betroffenheit. Im Schulflur vor dem Raum, in dem man sich zur ersten Stunde des Schultags einfand, halblautes Gespräch über die Nachricht. Ein Mädchen mit Paddituch, das ein rundes Ansteckfoto des Ermordeten an ihrer halsbedeckenden Bekleidung befestigt hatte, wurde lautstark begrüßt. Der Anstecker verriet Stilbewusstsein, die gleichaltrigen Klassenkameraden, Jungen wie Mädchen, trauerten einträchtig im Flur vor dem Schulzimmer. Der Schock über die Nachricht wurde in einer gemeinsamen Gedächtnisecke an den Himmel gepinnt. Ein Stück Himmels über einer geteilten Stadt, voll Trauer.

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Requiem

Gespiegelte Gesichter
Bilder die verblassen
Von Schwermut gezeichnete
Fallende Tränen
Einer erlöschenden Sonne

In das Unsagbare
Wohin keiner folgen kann
Wenn das letzte Licht
Einem Herz entweicht
Aus dem eine Lilie erblühen wird

Wir decken auf
Zum letzten Abendmahl

Trinken Wein
Fassen die Hand des Anderen
Tanzen ein letztes Mal

Sagen uns
Wir haben es versucht
Haben zu lieben versucht
Jedes Ende ist gut

Handelsunübliche Haikus

Es war/

taggenau/

in Maximilianstadt/

die Wespen.

Es fallen Rosenkränze/

in den Schoß/

der Gottes-

Mutter! 

Die alte-

Mühle/

kaut Kohle/

und blitzt kontaktlos.

All-UNG

Ver_bunden/

Verbundungsheit_er_keit/

All-NIS

no one .. e

703. Arbeit

Zwischen zwölf zweiundvierzig Und neunzehn fünfundvier Zig passen sieben

Zig&zig&zigs Machen einen Hund

Katzen aufge Merkt! Angel ___ a b c

Flog nicht weiter Als Otto s Kiste

.

„Teure Bilder im Abrissbau“

Die Wendung zur Abstraktion war in den 50er Jahren des 20. Jh.s eine Konstante.
Zwei Jahre vor ihrem Tod, drei Jahre nach dem Tod ihres Partners und Ehemanns, malt Suzanne Dechamp „Unterwelt“.
Der Abschied von Dada etc. um 1923 war ihr ungewöhnlich leicht gefallen. Fast wirkt es, als sei sie als Frau froh gewesen, endlich dem Geflecht der Normen, Normbrüche, konstruierten Nonsense und ihrer fortgesetzten Erschaffung und Zerstörung entflohen zu sein.
„Unterwelt“ sucht, findet eine Welt. Ob sie neu sei, hängt von der zugrunde gelegten Geschichte des Sehens ab.
Kunst im Abrissbau – Eingang zur Unterwelt

*

1. Stock

Christophorytsch

Tfuh, bäh, chlja, –
Durch den Schleim
__der Ideen
___durch

Immer
____Grund,
____Grund,
____Grun…

*

W__, __, üü –
S__ ___, –
K_
_____überm – untern

Archipel der Anarchie VI

Die Maschine
Oder,
Über die Gefahren der Tyrannei – Wenn Vampire einen Staatsstreich verübten


Aufzeichnungen aus den Tagebüchern des Wanderers
Die Massen strömen in die große Kathedrale, füllen aus, das mächtige Bauwerk, ein Bollwerk gegen unsichtbare Feinde, vor langer Zeit unterworfen. Jeder Atemzug hallte von den toten Steinen wider, schwang beschwert von Seufzen und Ächzen, türmte sich auf, schlug Bögen, übertrumpfte sich gegenseitig
in einer Kakophonie menschlichen Leidens bis in die höchsten Türme, die die
ganze Stadt überragten. Eine verkommene Stadt, ein Moloch der sich selbst
gebiert und im selben Augenblicke verschlingt. Ein Schatten lag auf der Scher
benstadt, einer gottverlassenen Gosse, die heiliger nicht sein könnte. Ein
Elend zwang uns Menschen in die Sklaverei, sind wir doch nur Vieh für unsere
Herren. Ich blickte auf, vernahm die Dissonanz des Chors auf den oberen Reihen, machte mir keinen Hehl daraus. Eine von Not und Elend gebeutelte Gesellschaft, und das war dieser Ort, diese Kirche des Schmutzes, stellvertretend
für jeden Kiesel, jedes Pflaster und jedes Dach, wenn man denn eines über
dem Kopf hatte, nur ein blut- und staubbedeckter Palast größenwahnsinniger
Opulenz im Nebel, der die Stadt heimsuchte, würde nicht das schwache Licht
einer sterbenden Sonne dafür sorgen, zumindest einmal wöchentlich, Schutz
vor der Grausamkeit der Regierung zu gewähren, die derzeit mit wohl Wichtigerem vertraut war, nutzten sie doch die nötige freie Zeit für ihre blutigen
Fehden, um die Oberhand in den Parlamenten zu gewinnen. Ich lief weiter in
Richtung der unzähligen aus feinem Marmor und Obsidian geschliffenen
Bankreihen. Ein merkwürdiges Zusammenspiel der sich im fahlen Licht immerwährend bekämpfenden Elemente. Über mir ein Fresko, das die Geschichte der Scherbenstadt abbildete. Es wirkte plastisch. Beim genaueren
Betrachten konnte man einige Verfehlungen des Künstlers erkennen. Manche
Proportionen schienen gar mit Absicht obszöne Ausmaße anzunehmen. War
ich wahnsinnig? Der Wahnsinn ist ein ständiger Begleiter und Weggefährte in
dieser Welt, in der Stoßgebete nur von denen gehört werden, die sie in die Welt
gesetzt hatten. Mit messerscharfen Zähnen warteten sie auf ihre Beute in der
Dunkelheit. Einem Katz-und-Maus-Spiel geradezu entgegenflehend.


I.
Die Menge erhob sich und verschwamm mit den unzähligen Heiligen und Ornamenten, die das Licht durch die zahllosen Glasfenster, ein jedes an jeder
Seite der oktogonalen Türme, sieben an der Zahl, ein jeder entwächst wie fluoreszierende Sporen aus dem Kadaver eines toten Tieres.
Das Farbspiel und der Missklang erheben das Mittelschiff, an dessen Rand
ich mich befand, in Höhen, dessen Tiefe sich niemandem erschlossen hatte.
Die Gemeinde setzte einen Kanon an. Ein vielstimmiges anhaltendes Brummen, das im viel-farbigen Panoptikum tanzte.
Das Surren erzeugte ein mir wohlbekanntes Vibrieren. Die Stimmen erzeugten
Raum und füllten ihn mit Leben. Jeder einzelne Verstand, jeder wache Geist
entäußerte sich, drängte in den Raum, der entstand, zwängte sich mit letzter
Kraft hinein. Der Priester trat hervor und war nunmehr Dirigent, der ein Orchester zu befehligen versuchte, schwank er den Weihrauch wie einen feinen
Stab um die richtige Reihenfolge zu bestimmen, gestikulierte rigide, wies jedem seinen Platz und die natürliche Ordnung zu. Der Raum war voll, die Gemeinde bereit.
Das Getöse der gewaltigen Orgelpfeifen, die scheinbar überall installiert wurden, zerriss den Vorhang, der sich zwischen Gemeinde, Raum und Priester
befand. Tiefe Töne, die jeden in die Tiefe zwangen, verneigten sich vor der
Herrlichkeit der vor kurzem aufgetretenen geistlichen Würden. Gehüllt in alabasterweiße Laken (ich dachte an den ersten Schnee, als alles noch friedlich
war, zumindest in meiner Erinnerung, die schnell der vom Straßenschmutz
und Unrat und der Tristesse eines ewigen Herbstes wich.) behängt mit Gold,
welches ihn immer wieder spiegelte, ihn zu loben (oder zu verurteilen?).
Sein Blick, der eines strengen Schullehrers, der gerade zur Prügelstrafe an
setzte, aber dennoch etwas väterlich Sanftes innehatte, vernahm alles in sei
ner Gegenwart. Hier war man den allsehenden Augen des dunklen Pontifex
bewusst. Ewige Lebensspenderin und Herrin der roten Hallen der Scherbenstadt, unsere Göttin.
Niemand bekam sie je zu Gesicht. Nur die
Aufgestiegenen und jene, die ihr dienten. Die Fürsten dieser Welt, mit gottgleichen Mächten ausgestattet.
Wer vermag eine natürliche Ordnung anzuzweifeln, die unnatürlicher nicht
sein kann?
Meiner Tagträumerei wurde ein schnelles Ende gesetzt, als sich die Gemeinde
ein zweites Mal erhob, sich anschickte einer Unterwerfung beizuwohnen, die
man euphemistisch simpel die „Säuberung“ nannte. Wären Töne von dieser
Welt, sie wären flüssig, mitreißend, brächen sie in rostiger Schlacke wie ein
Sturzbach über einen herein.
Sturzbach.
Es führte ein großer Fluss aus der Stadt heraus, bekannt für seinen Gestank,
beseitigte er doch schnell die Probleme übervoller Häuser, aber auch glanzvoller Paläste, wenn er scharfkantige Klippen hinabstürzte, dabei die Mühlen der
Werke antrieb, wo sich Täter in Unschuld wuschen, im stickigen Schlamm
ihrer Mordlust suhlten, mit dem Blut mancher ihre Leben freikauften. Morden
ist nicht einfach ein Akt der Rache oder Verzweiflung. Mord ist ein perverses
Melodram irdischer und himmlischer Gefühle, berauschend. Todesrausch.
Der dunkle Pontifex hat seine Freude daran. Welche Stadt kann schon von
sich behaupten ihre Lichter leuchten durch den Tod. Grabeslichter. Mord ist
ein Geschäft, eine Ware, gar Kunst. Welche Stadt kann schon von sich behaupten jeder Einwohner sei ein Künstler.

Erinnerung an einen Anfang

Nun bin ich hier. Die Flamme springt auf, wird hoch und schlank, dürstet nach Wachs und nach Licht. Die Blume verströmt ihren Duft, auf der Fensterbank die Erinnerungen, Schalen, Gehäuse. Ein Hafen. Ein Vater, ein Fluß. Vor dem Fenster die Nacht. In der nassen Kälte schimmernd das Glasdach der Post, Laternen wie Flammen hintereinander am Weg. Über quer stehenden Häusern der weite Himmel, tief grau, schwarz, wo er sich an Dächern und Fassaden abzeichnet. Dazwischen ein heller, blaugrauer Fleck, ungewiß, ob durch die Spiegelung im Fenster oder durch Wolken verursacht. Im Glas verlaufen die Wände. Eine Baskenmütze auf der einen, ein alter Kalender auf der anderen Seite.

Bilder der Stadt, die noch unvermittelt nebeneinanderstanden, sich formten, aufstiegen, wieder versanken. Das weite Grün eines Parks, flach, die großen Bäume in der Ferne. Herbstsonne. Wolken, die immer dichter wurden. Das Unterholz, mit schwammigen Pilzen im hohlen Innern des Baumstumpfs. Plötzlicher Regen. Der anschwellende Sturm, der an den Ästen reißt, Zweige abbricht, achtlos, wie mutwillige Kinder. Blätter, die sich erhoben, davongetragen, oder niedergeweht von schwankenden Bäumen in den Fluß regneten. Ein Wirbel zwischen Kleingartenkolonien und dem Waldstück, auf den Weg stürzende Äste, abgerissen von einer Windgewalt, prasselnd im nächsten Moment, auf den Kies geschlagen. Dazu Regen, in kaum spürbaren Tropfen.

Die Villen am Rand des Parks auf dem morgendlichen Weg. Dunkel. Fassaden von Häusern, alt, wie alt? Hunde, in gestrecktem Lauf, den Atem vorm Maul.

Die Kutsche, die auf der Straße auftaucht, fern noch, Pferdegetrappel, das unwirklich klang, sicher hatte er sich getäuscht. Ein aufgerissener Himmel am Straßenende, über den Häusern. Ein Horizont, der das Ende der Welt zu sein schien, dieser Welt. Das Getrappel kam näher. Auf dem Kutschbock der Mann im grauen Mantel. Scheu lief das Pferd, den Autos voran, blieb hinter ihnen zurück.

Vollmond, der groß zwischen den verlaubten Wegen aufschien, zwischen den Ästen, den Schäften der Bäume. Ein Wald in der Stadt. Knackendes Unterholz, wenn ich die Wege verließ. Krähen in den Bäumen. Oder kreisend.

Hafen des Zimmers, in der fremden Stadt. Spiegelnder Widerschein, die Kerze im Fenster, das aufspringende Licht. Kälte des Raums. Der kleine Kachelofen. Das schmale, lange Zimmer. Und das Haus. Das alte, unsanierte Haus.

(2002/2025)

Archipel der Anarchie V

Das Gebet; Oder wenn Geister einen plagen.

„Gestern Nacht verband mich noch,
was alles aus den Schatten kroch.
mit dem was ich zu fassen suchte,
als schwarz geschmückt der elendig Verruchte,
aufgebahr;
fürwahr,
ich stand.


Ich stand, gespannt.
Die Stille machte mir zu schaffen,
in der Dämmerung, der immerwährenden,
vermummte Kapriolen, Freudensang der Pfaffen,
grotesk, verklemmt sie bleich gebaren – mein Urteil, vernichtend.
Ich verbarg, verspannt.


Welch Leid und Lieb sie künden,
Frömmigkeit verdeckt ihr Sünden,
denn welcher Schein scheint heiliger,
als Sterne, die kopfüber stünden,
scheidet Wasser von den Massen.
Ich verstand, entspannt.


Ein Preisen ging umher, zu zählen allerhand,
doch was bereits verkauft, kann man nicht pfänden,
thront überhöht,
Loblieder und Posaunenchöre,
ein farbenfrohes Kerygma;
höre Lucifer,
höre der Ungeborenen Epiphania.


Man führt zur Schlachtbank alle Reinen,
sollen sie sich doch vereinen,
Nein!
Das wär zu viel des Guten,
lässt sie doch allesamt ausbluten, den auferstandenen Pöbel,
der da ruft: ‚Ich will wer sein.‘,
verdankt sich selbst sein Schuften,
denn nur er selbst betet in der Herren Gruften.


Mit Schmeicheln und Erweichen lässt man die Jahre gehen,
viel hilft viel wenn‘s drum geht Verborgenes zu sehen,
wär man doch nicht so blind geboren,
müsst man den Schaden selbst ausbaden,
wär nichtig alles Mühen,
doch wer sah jemals Rosen in den Wolken blühen?


Solch schleierhaft Geschwader an eitrig triefend Cherubim,
schreien hinaus: ‚verzweifelt nur‘.
Glasfenster stark beschmutzt;
Bestandsaufnahme – intim,
blick ich hinaus, vertiefend;


Kommt vor dem Fall Vergeben statt Vergehen,
folgt man womöglich falscher Spur.
Morgen bin ich wohl erlöst, gar aufgelöst,
Wer weiß dies schon,
trete ich auf den Balkon,
heb an zum Fluge,
schweb umgekehrt davon!“,


sagte B., als er die Freude schöner Götterfunken bestaunte, um sich im Glanz
der Furien zu läutern.

Koinzidenzen

Die Sonne im Blau
Der blaue Himmel

Meine Schwermut
Deine Trauer

Unser Glück
Das Schicksal der Welt

Metalle und Planeten,
Zinn und Queck-

Silber: da
Oben

03.09.2025

Gedicht über Bäume

„Mehr Infos unter“

Was für eine

Unaussprechlich,

„Todesstrafe für Attentäter … gefordert“

Hass ist Unlust, verbunden mit

Unaussprechlich,

„Könnte Monate dauern … versteckt unter Wohnhäusern“

Lust und Unlust – oh Gott —

Der Trieb,

Das Begehren

Das Wesen selbst …

„Herr erbarme dich“

!

*

You think, you’ve lost your love

zig Millionen getötet

1840 Opium (Waffen)

* *

Diese Prinzessin – das bin ich

Du?

Gedicht nicht über Bäume

Also musst du endlich lernen zu verzeihen,/Oder du wirst zwischen deinen Hunden grau.

1836?

1899?

1900?

Fastentag

Lernen, lernen und lernen.

Sterben?

Wie die B.

Archipel der Anarchie IV

Der Wald

Oder,

wenn Tiere Horrorromane schreiben würden

„Als die Tiere sich erhoben und anfingen sich ihrer Herren schmerzlich zu entledigen, da sprachen sie mit einer Stimme und erfuhren, was echte Hingabe bedeutete“,

sagte B., als er den Lebensbaum erklomm, um nicht im Schein der fahlen Flügelsonne zu vergehen.

Ein Geist

§ 33

„Ich bin Geist – und heute bin ich eine Taube!

Ich erhebe mich gen Himmel,

durchdringe pfeilschnell,

schnabelwärts

den dichten Dunst des domestizierten Menschen,

gefangen in seiner Angst.

Felder und Weiden ziehen an mir vorbei,

doch ich vermag keinen Unterschied zwischen ihren

und den Heimen meiner Art zu erkennen.

Wir sind Spiegelbild ihrer Laune es sich gemütlich zu machen,

fern vom Dreck, makellos,

sich den Dreck unsereiner morgen für morgen auftragend,

um den eigenen zu vergessen.

Wir fühlen wie sie, kleiden uns wie sie, erziehen unsere Kinder wie sie – und

doch sind wir Ding!“

§ 34

„Ich bin Geist – und heute bin ich eine Schabe!

Ich krieche im Schlund der Maschine.

Manche flüstern unseren Aufstand herbei.

Was bleibt vom Menschen über, wenn er fällt,

vom Schorf bedeckt,

nicht minder mehr bloß Kreatur im Geiste ist?“

§ 35

„Ich bin Geist – und heute spaziere ich im Wald!

Der Mensch ist Schande und Auswurf dessen,

was er versucht einzugrenzen und zu unterwerfen.

Gleicht der Mensch dem Wald, so gleicht dieser nicht ihm,

doch der Mensch hat es vergessen,

denn die Hölle; das sind nicht die Anderen,

sondern die Gleichen!

Es wird der Tag kommen, da die Winkelspinne Gericht hält und die Feldmaus

nicht mehr weinen braucht.“

Eine Trauer

§ 36

Heute ist der Tag nach gestern

und der Tag vor morgen,

wenn wir das beabsichtigen zu tun,

was wir gestern erst ersponnen,

aber heute nie begonnen.

§ 37

Heute ist der Tag an dem wir das zu Grabe tragen,

was wir gar nicht erst begangen haben,

weil wir doch schlicht die Zeit, die Kraft nicht finden,

da wir nicht mal suchen,

sondern uns im gestern winden,

um im morgen zu ertrinken.

§ 38

Heute ist der Tag an dem wir aufgegeben haben,

was wir nicht einmal gewonnen,

denn wenn wir glauben zu meinen,

dass wir den einen, den wir heute nennen,

gestern noch als morgen,

aber heute schon als gestern kennen.

§ 39

Heute ist zeitlos, eine Plastikrose im All.

Heute ist Verfall

§ 40

Die Anarchen ehren die Bäume und das leise Rascheln ihrer Blätter.

Auf jedem Grab erwächst ein Neuer. So schließt sich der Kreislauf ihrer Leben.

Denn wo die Toten ruhen,

da webt die Winkelspinne ihren Faden

und die Feldmaus schreibt sie ein, die Namen der Anarchen,

ins Buch der Geschichte,

wenn sie an den Wurzeln der Weltenwende nagt.